Klassifikation von Höhlen


Definition: Eine Höhle ist ein natürlicher unterirdischer Hohlraum, der groß genug ist von Menschen betreten zu werden.


Es gibt sehr unterschiedliche Höhlentypen, die sich in verschiedenen Eigenschaften unterscheiden können. Um diese Vielfalt zu strukturieren, werden Höhlen in Klassen eingeteilt. Dazu dienen die unterschiedlichsten Kriterien, die auch zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Wir möchten hier die gängigsten Klassifikationen vorstellen.

  1. Nach dem umgebenden Gestein: Dabei wird nur das Gestein betrachtet, nicht der Mechanismus durch den die Höhle entstanden ist. So ist insbesondere eine Kalksteinhöhle nicht unbedingt eine Karsthöhle.
  2. Nach der Morphologie der Höhle, also der geometrischen Struktur:
    • Horizontalhöhlen besitzen fast ausschließlich horizontale Gänge.
    • Spaltenhöhlen oder Klufthöhlen bestehen aus einem Spalt im Gestein.
    • Vertikalhöhlen oder Schachthöhlen bestehen vorwiegend aus Schächten, verbunden durch kurze Gänge.
    • Höhlensysteme sind eher groß und besitzen Gänge und Schächte.
    Die Unterteilung in Horizontalhöhlen und Vertikalhöhlen macht nur in Gebieten mit kleinen Höhlen einen Sinn. Dort bestehen Höhlen häufig nur aus einem einzelnen Gang oder Schacht. In Karstgebieten mit größeren Höhlen stellt fast jede Höhle ein Höhlensystem dar.
  3. Nach dem Zeitpunkt der Entstehung in Relation zur Entstehung des umgebenden Gesteins:
    • Primärhöhlen entstehen gleichzeitig mit dem Gestein.
    • Die meisten Höhlen sind Sekundärhöhlen. Nach der Entstehung des Gesteins werden die Höhlen in einer zweiten Phase gebildet, indem Gesteinsmaterial durch chemische oder physikalische Prozesse abgetragen wird.
    • Tertiärhöhlen sind Höhlen die durch den Kollaps anderer Höhlen oder auch künstlicher Hohlräume entstanden sind.
    Die ersten beiden Begriffe sind gängig, der letzte ist fast unbekannt, und tatsächlich sind solche Höhlen äußerst selten.
  4. Nach der Art der Entstehung:
    • Lösungshöhlen: Salz- und Gipshöhlen benötigen zu ihrer Entstehung lediglich Wasser, da beide in reinem Wasser eine sehr hohe Löslichkeit haben.
    • Karsthöhlen (Karsthöhlen): Bei Kalk und Dolomitgesteinen wird das Gestein durch eine sehr schwache natürliche Säure (normalerweise Kohlensäure) gelöst. Diese Säure entsteht zwangsläufig aus normalem Regenwasser durch die Aufnahme von Kohlendioxid CO2 aus der Luft und dem Erdboden.
    • Lavahöhlen: Eine Lavahöhle entsteht beim Erkalten von Lava, also geschmolzenem Gestein. Sie bilden sich entweder bevor oder während die Lava erkaltet und erstarrt.
    • Erosionshöhlen: Diese Höhlen entstehen durch Erosion, als mechanische Verwitterung und Abtransport von Material durch Wasser oder Wind.
    • Tektonische Höhlen:
      • Versturzhöhlen: Große Bergstürze führen zu Entstehung von Geröllhalden, wobei zwischen den manchmal recht großen Felsblöcken große Hohlräume entstehen können.
      • Klufthöhlen: An Talhängen und Schichtstufen kommt es durch die Erosion der unteren Schicht oft zum Abrutschen der oberen Schicht. Dadurch entstehen Weitungsklüfte.
      • Neotektonische Höhlen: Eine spezielle Form von tektonischen Höhlen, die fast ausschließlich in Skandinavien vorkommt. Sie entstand durch die tektonischen Kräfte in Verbindung mit der Druckentlastung durch das Abschmelzen der eiszeitlichen Gletscher.
      • Inkasionshöhlen: Entstehen durch den Verbruch von Hohlräumen.
    • Gletscherhöhlen: Entstehen durch Schmelzen des Eises durch die Wärme die das Schmelzwasser mitbringt. Das Schmelzwasser sammelt sich, fließt darin talwärts und verläßt die Gletscherhöhle durch das Gletschertor.
    • Erdröhren: In Wüstengebieten kommt es regelmäßig zu Sturzfluten, die Schluchten und Höhlen in Erde, oder besser Lockergesteine, waschen.
  5. Nach dem Alter des Gesteins: Diese Einteilung ist speziell für Karsthöhlen interessant. Kalkstein ist ein Sedimentgestein und somit durch die Entstehungszeit klassifizierbar. Da jedoch seit dem Ende des Kambriums immer irgendwo auf der Erde Kalksteine abgelagert wurden kann jede Periode seither namensgebend sein.
  6. Nach dem Zeitpunkt der Höhlenentstehung: Diese Einteilung ist speziell für Karsthöhlen interessant. Verkarstung findet nur statt, wenn die Gesteine der Witterung ausgesetzt sind. Durch tektonische Kräfte werden die Gesteine abgesenkt und wieder angehoben, was die Verkarst stoppt oder wieder ermöglicht.
    • Kreidezeitliche Verkarstung.
    • Tertiäre Verkarstung.
    • Quartäre Verkarstung.