Vulkan Brauerei


Touristische Informationen:

Ort: Laacher-See-Straße 2, Mendig.
(50.377363, 7.281989)
Öffnungszeiten: Brauhaus: Ganzjährig Di–So 11–22.
Warme Küche: Ganzjährig Di-So 11:30–21.
Vulkan Shop: Ganzjährig täglich 12–20.
Kellerführung: Ganzjährig Sa, So, Fei 16.
[2021]
Eintrittspreise: Kellerführung: Erwachsene EUR 9.
[2021]
Typ: SubterraneaUnterirdische Steinbrüche ExplainKammerbau SubterraneaKeller Basaltsteinbrüche
Licht: elektrisch
Dimension: T=8-9°C, VR=30m.
Führungen: D=1h, St=153.
Fotografieren: erlaubt
Zugänglichkeit: no
Literatur: J.J. Nöggerath (1841): Zirkon in der porösen Mühlstein-Lava von Niedermendig Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geognosie, Geologie und Petrefaktenkunde, 696.
T. Wolf (1868): Die Auswürflinge des Laacher-Sees Zeitschrift der Deutschen geologischen Gesellschaft, Vol. XX, 1-78.
Adresse: Vulkan Brauerei, Laacher-See-Straße 2, D-56743 Mendig, Tel: +49-2652-520330, Fax: +49-2652-520391. E-mail:
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Geschichte

~1800 aufgelassene Basaltgruben werden von Brauereien zur Lagerung von Bier genutzt.
1875 Vulkan Brauerei als Wölker Brauerei gegründet.
2011 die beiden Brüder Malte und Hannes Tack kaufen die Vulkan Brauerei.

Bemerkungen

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Kupferstich von Barthélemy Faujas de Saint-Fond, 1802, Niedermendiger Lavakeller, Eifel, Deutschland. Public Domain.
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Postkarte ca. 1900, Niedermendiger Lavasteingrube, Eifel, Deutschland. Public Domain.

Die Vulkan Brauerei in Mendig hat den Vulkan zum zentralen Marketing-Konzept erklärt. Das kann sie natürlich mit gutem Grund, die Biere werden (wieder) im Basaltkeller gelagert. Und dann auch noch im tiefsten Bierkeller der Welt mit 30m Tiefe. Deshalb wurde auch ein Aufzug für den Transport des Bieres in und aus dem Keller installiert. Heute lagert hier Deutschlands bestes Craftbier 2017 und das Bourbon Barrel Doppelbock, in original Bourbon-Holzfässern aus den USA.

Die eigentliche Besonderheit ist aber, dass man die Keller recht problemlos besichtigen kann. Inzwischen sind durch GeoPark und Vulkan Park verschiedene Museen und auch Keller für Besucher geöffnet worden, aber noch vor 10 Jahren waren die Keller der Brauerei mit Abstand am besten zugänglich, weil die Brauereigaststätte ganzjährig geöffnet ist. Und die Vulkan Brauerei ist dennoch unschlagbar, bietet sie doch zusätzlich auch noch hervorragendes Essen und verschiedene Sorten Bier. Mit dem Bier sollte man allerdings bis nach der Kellerführung warten, Betrunkene dürfen nicht an der Führung teilnehmen.

Vor 200.000 Jahren bei der Eruption des Wingertsberg-Vulkans wurde die Umgebung von Mendig von Lavaströmen bedeckt. Der Lavastrom bedeckte die Oberfläche aus devonischem Ton- und Schiefergestein zwischen 10 und 30m hoch. Wäre die Lava etwas weniger zäh gewesen, wäre sie wohl vollständig entgast, so blieben aber Gasblasen in der Lava und erstarrten mit. Das Ergebnis ist ein sehr poröser Basalt mit bis zu 25% Blasenvolumen. In späteren Vulkanausbrüchen wurde der Basalt durch eine bis zu 10 Meter mächtige Deckschicht aus Dielsteiner Gebirge bedeckt. Dabei handelt es sich um ein brekzienartiges vulkanisches Lockergestein, das aus grobem Trass mit eingelagerten Stücken aus Bimsstein, Schlacke, und anderen Steinen besteht. Diese Schicht hat den Basalt vor Verwitterung geschützt.

Der Basalt wurde seit der Jungsteinzeit genutzt, und zwar meist zum Mahlen von Getreide. Auch die Römer bauten Basalt als Mühlsteine ab. Die Bierkeller von Mendig entstanden in ihrer jetzigen Form im Mittelalter, ab dem 15. Jahrhundert. Damals ging man zum Abbau von Mühlsteinen unter Tage über. Da der beste Basalt unter einer 10m dicken Deckschicht begraben war, wurde zuerst ein Schacht mit 7-8m Durchmesser abgesenkt. In die Wand wurde eine Treppe zum Abstieg und Aufstieg gehauen. Der Schacht wurde dazu benutzt, die fertigen Mühlsteine mit einem hölzernen Kran, der durch einen Göpel angetrieben wurde, herauszuheben. Der Basalt wurde bis zur unteren Grenze des Basalts abgebaut, wodurch sich große Kammern mit dem Boden in 30m Tiefe ergaben. Die ursprünglich getrennten Gruben wurden größer und wuchsen irgendwann zusammen. So gibt es in Mendig heute ein einziges großes Kellerlabyrinth.

Um 1800 wurde damit begonnen Lebensmittel und vor allem Bier in den aufgelassenen Basaltgruben zu lagern, weil diese vor der Erfindung des Kühlschranks die einzige Möglichkeit waren Lebensmittel kühl zu lagern. Für die private Nutzung war das etwas unbequem, weil der Weg bis zu den Kellern weit war, da wurden wohl eher die Keller im eigenen Haus genutzt, auch wenn diese weniger kühl waren. Doch für die Brauereien war das anders, das Bier wurde über längere Zeit gelagert und tiefere Temperaturen waren hilfreich. Die kälteren Keller wirken wie eine Kältefalle, die kalte Winterluft strömt durch Öffnungen von der Oberfläche hinein und die Temperatur hält sich dann das ganze Jahr. Teile der Keller wurden auch als Eiskeller benutzt, in denen im Winter Eis von der Oberfläche eingelagert wurde um im Sommer das Bier kühlen zu können. Um 1900 gab es in Mendig 28 Brauereien, die ihre Biervorräte in den Lavakellern lagerten. Das Bier wurde im weiten Umkreis, unter anderem nach Köln exportiert. Die Erschließung durch die Eisenbahn Ende des 19ten Jahrhunderts war dabei hilfreich.

Die Keller verloren ihre Bedeutung mit der Erfindung der Kältemaschine durch Carl von Linde im Jahr 1876. Die Kältemaschine wurde zuerst von Brauereien eingesetzt, weil sich die anfangs noch recht teure Maschine dort lohnte. Die Brauereien in Mendig hatten ihre Keller die kostenlos kühlten und weder Strom noch zusätzlichen Investitionen erforderten. Deshalb wurden die Keller erst einmal weiter genutzt, einige wenige wurden noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts genutzt. Doch der Standortvorteil von Mendig war leider nicht mehr gegeben. Brauereien die näher bei den Kunden in den Großstädten waren mussten ihr Bier nicht weit transportieren. Im Lauf der Jahrzehnte musste so in Mendig eine Brauerei nach der anderen schließen oder wanderte in eine Großstadt ab.

Am Schluß war nur noch die Vulkan Brauerei übrig. Im Jahr 1875 als Wölker Brauerei gegründet, wurde sie schon bald in Vulkan Brauerei umbenannt. Als letzte regionale Brauerei hatte sie zwar ihr auskommen, war jedoch auf dem besten Weg ebenfalls geschlossen zu werden. Dann wurde 2011 von den Brüdern Malte und Hannes Tack gekauft. Sie erkannten das Potential von Craft Bieren, brauten India Pale Ale und Bockbiere, beschränkten sich bewusst auf naturtrübe Biere, auch um sich von der Bitburger Bierindustrie abzuheben. Der Vulkan, beziehungsweise die Lavakeller, wurden in das Vermarktungskonzept einbezogen. So werden einige Biere wieder in den Kellern gelagert. Insbesondere der Doppelbock, der in original Bourbonfässern aus der Woodford Distillerie aus Kentucky im Keller reift. Wegen der hohen Luftfeuchtigkeit werden die Fässer wöchentlich abgebürstet, sonst würden sie schimmeln. Ein Problem ist auch die Fassverprobung, dazu muss man das Spundloch öffnen, wodurch das Fass vorübergehend frei liegt und Pilze und Fremdhefen könnten eindringen. Um dies zu vermeiden werden die Fässer mit hochprozentigem Alkohol eingesprüht und angezündet. Unter Feuer wird dann die Probe gezogen.