Uracher Tropfsteinhöhle

Gassner-Höhle - Tropfsteinhöhle Beck am Grünen Weg - Tropfsteinhöhle bei der Kunstmühle


Touristische Informationen:

Ort: Hinter der Kunstmühle Künkele und der Baumwollspinnerei G. & A. Leuze, im Gewann „Felsenwiesen“ am Grünen Weg. (Kat-Nr. 7522/4)
Öffnungszeiten: noch nicht eröffnet.
[2019]
Eintrittspreise: noch nicht eröffnet.
[2019]
Typ: SpeleologyTuffhöhle, SpeleologyPrimärhöhle.
Licht: LightBeleuchtung mit Glühlampen
Dimension: L=50 m, W=5 m, A=496 m NN.
Führungen: noch nicht eröffnet. [2019]
Fotografieren: erlaubt
Zugänglichkeit: nein
Literatur: Holger Dahlhelm (1982): Untersuchungen zur Speläogenese in Kalktuffen an Beispielen aus Südwestdeutschland, Beiträge zur Höhlen und Karstkunde in Südwestdeutschland 24, Stuttgart, 1982.
Julius Wais (1902): Tropfsteinhöhle bei Urach, Albvereinsblätter 14/2(1902) 58
Adresse:
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Geschichte

1895 der ledige Müller Heinrich Beck aus Seeburg kauft das Grundstück der verstorbenen Uracher Bäckers Philipp Niethammer und wird so zum Steinbruchbesitzer und Steinhauer.
1896 Heinrich Beck entdeckt die Höhle in seinem Steinbruch.
1900 Eröffnung der Schauhöhle.
1964 Höhle bei Hochwasser überflutet.
2018 Albrecht Gorthner restauriert die Höhle.
2022 vermutliche Wiedereröffnung.

Bemerkungen

Die Uracher Tropfsteinhöhle ist derzeit noch ein Mysterium. Sie ist kaum jemandem bekannt und war bis vor kurzem nicht zugänglich, weil sie unter Wasser stand. Und doch war sie einmal eine Schauhöhle, manche älteren Mitbürger erinnern sich noch an einen Besuch. Doch beginnen wir am Anfang.

Nach dem Tod des Uracher Bäckers Philipp Niethammer haben seine Erben im Jahr 1895 das Grundstück im Gewann „Felsenwiesen“ am „Grünen Weg“, nahe der Kunstmühle Künkele verkauft. Käufer war der ledige Müller Heinrich Beck aus Seeburg. Er eröffnete einen Steinbruch, in dem er den weichen Kalktuff abbaute, einen Stein der sehr gerne für Ställe aber auch für öffentliche Gebäude wie Rathäuser und Schulen benutzt wurde. Bereits im nächsten Jahr entdeckte er beim Abbau des Tuffs einen Hohlraum. Das ist nun recht gewöhnlich, eine normale Sache bei Kalktuff, der sehr viele kleine Hohlräume aufweist, dieser spezielle Fund stellte sich jedoch schnell als sehr außergewöhnlich heraus. Der Spalt war sieben Meter tief und so brauchte er eine lange Leiter und eine Laterne um ihn zu erforschen, sicherlich eine außergewöhnliche Sache zu damaliger Zeit. Die meisten heutigen Schauhöhlen existierten noch nicht, die Laichinger Tiefenhöhle war jedoch im Jahr zuvor entdeckt worden und in der Zeitung beschreiben worden. Auch der Rulamann, der in der nur einen Kilometer entfernten Schillerhöhle spielt, war bereits veröffentlicht, und Hauffs Lichtenstein bereits 70 Jahre zuvor veröffentlicht worden. Und der erste deutsche Höhlenverein war sechs Jahre vorher im nahegelegenen Gutenberg gegründet worden. So kann man vermuten dass er schon etwas von Höhlen gehört hatte.

Nach dem Abstieg in die Höhle erkannte er schnell, daß sie außergewöhnlich groß war, 25 m lang, fünf bis sechs Meter breit und ebenso hoch! Doch sie hatte zwei noch größere Besonderheiten: von der Decke hingen riesige Tropfsteine herab und ein kleiner, klarer Bach floß durch die gesamte Höhle. Er erschien am einen Ende aus einem kleinen Loch und verschwand am anderen Ende genauso mysteriös wie unspektakulär wieder. Beck erzählte zunächst niemand von seinem Fund, sondern erkundete in aller Ruhe seine Höhle. Er hatte den Weitblick und Unternehmergeist sie mit eigener Arbeit als Schauhöhle zu erschließen. Er schlug einen bequemen Zugang vom Tuffsteinbruch in den weichen Tuff, legte einen Weg durch die Höhle an und baute Stege mit stabilen Geländern und eine Brücke über den Bach.

Als er sie schließlich 1900 öffentlich bekannt machte, wurde sie als Tropfsteinhöhle Beck am Grünen Weg bezeichnet. Er selbst nannte sie jedoch Tropfsteinhöhle bei der Kunstmühle, wie man aus einer Anzeige im Ermstalboten im Jahr 1901 entnehmen kann. Der Besitzer selbst führte Besucher durch seine Höhle und verlangte einen Eintritt von 30 Pfennigen für Einzelpersonen und 20 Pfennige für Gruppen. Öffnungszeiten gab es nicht, wenn Besucher kamen wurde eine Führung gemacht.

Die Höhle wurde durchaus bekannt, insbesondere nachdem sie Julius Wais, der Autor des bekanntesten Führers für die Schwäbische Alb besucht hatte. Er nahm sie 1912 in seinen Führer auf, veröffentlichte aber vorher schon einen Artikel in den Blättern des Schwäbischen Albvereins. Sätze wie „die sich durch die Schönheit und Mannigfaltigkeit ihrer Gebilde in hervorragendem Maße auszeichnet“ waren sicherlich eine gute Werbung für die Höhle. Wais erging sich in Fantasiegebilden, wohl eine für diese Zeit typische Erscheinung.

„Gar täuschend zeigt sich eine gotische Kirchturmspitze, feingegliedert und durchbrochen. Belebt ist diese Zauberhalle von einem allerliebsten Wickelkind, einem Zwerg, früher wohl auch von einem Ritter, der seinen Panzer zurückgelassen. Träumerisch sitzt eine Eule auf einem Ast, während drüben zwei Elefanten neugierig ihren Rüssel hereinstrecken.“
Julius Wais, Albführer, 1912

Der Höhlenführer Beck übernahm diese und beeindruckte mit den phantasievollen Deutungen der Tropfsteingebilde die Erwachsenen und die Schulkinder. In der Ausgabe seines Albführers von 1912 bezeichnet Julius Wais die Uracher Tropfsteinhöhle als „die schönste und eigenartigste Tuffhöhle der Schwäbischen Alb“. Natürlich zitierte der Besitzer der Höhle solch markige Worte gerne in seinen Werbeanzeigen. So wurde die Höhle von Einheimischen, von Uracher Kurgästen, von Schulklassen und von Albvereinlern besucht. Überregional bekannt war sie nicht, vielleicht auch weil sie vor dem Aufblühen des Wochenendtourismus bereits geschlossen war.

Nach dem Tod des Entdeckers übernahm sein Schwiegersohn Johannes Gaßner Steinbruch und Höhle. Wohl um die Anzahl der Besucher wieder anzukurbeln besuchte er die Höhle mit Redakteur Dr. Rudolf Eberling, der anschließend einen Bericht über die Höhle veröffentlichte.

„Vom „Grünen Weg“ aus steigt man auf einem schmalen Weg in den Talgrund. Der Eingang gleicht dem zu einem Grubenstollen. Durch ihn hindurch betritt man gleich den ersten, kuppelartig gebildeten Raum. Wir stehen auf einem breiten Steg. Dumpf wird die Stimme. Die versteinerten Wände scheinen jeden Ton aufzusaugen. Unter uns gurgelt das Wasser. Wir stehen in der Höhle zugleich an einer Quelle, die reichlich Wasser gibt. Das Wasser verschwindet gleich wieder und läuft unterirdisch weiter. Erst bei der Kunstmühle Künkele kommt es zum Vorschein. In breiten Tropfen hängen die Steine über uns und an den Wänden des Kuppelraumes. Auf der rechten Seite nach hinten entdecken wir gänzlich versteinerte Baumstämme. Unter tief herabhängenden Steinen hindurch erreichen wir den zweiten Teil der Höhle. Auch hier stehen wir in einem kuppelartig gebildeten Raum, dessen Höhe und Seiten Tropfsteinbildungen in reicher Form und Gestalt aufweisen.“
Redakteur Dr. Rudolf Eberling, 1957

Das Ende der Schauhöhle kam unerwartet mit einer lokalen Naturkatastrophe. Im Februar 1964 überflutete Schmelzwasser die Anlage der Trinkwasserversorgung für das Gebiet Georgiisiedlung-Baumwollspinnerei, den alten Tuffsteinbruch und die Tropfsteinhöhle. Nachdem Steinbruch und Trinkwasserversorgung wieder trocken gelegt waren, floß das Wasser in der Höhle jedoch nicht mehr ab. Der natürliche Abfluss zur Erms war wohl von Schlamm und Steinen die vom Hochwasser eingeschwemmt wurden verstopft worden. So ist es auch bis heute geblieben, die einhellige Meinung war bisher, dass die zu erwartenden Kosten um den Abfluss wieder zu öffnen sehr hoch wären. Entsprechende Versuche des Bad Uracher Verschönerungsvereins sind aus diesem Grund gescheitert. Der Biologe Dr. Albrecht Gorthner aus Metzingen begann jedoch 2018 den Abfluss wieder freizumachen und hat 2020 die Höhle in den Zustand vor der Flutung restauriert. Sollte er die notwendigen Genehmigungen erhalten, könnte die Höhle schon 2022 wieder als Schauhöhle eröffnet werden.

Das Ermstal und das Seeburger Tal südlich von Urach wurden in den letzten Zwischeneiszeiten oder Interglazialen von großen Mengen Schmelzwasser durchflossen. Diese großen Wassermengen in Kombination mit höheren Temperaturen lösten auf Ihrem Weg durch den Karst der Schwäbischen Alb eine große Menge Kalk. Sie führten zu einem Wachstumsschub bei den phreatischen und semiphreatischen Höhlen, gleichzeitig kam ein Wachstumsschub bei den Sinterbildungen in den Höhlen. Auch die Quellen und Flüsse verfügten über große Mengen kalkreiches Wasser. Wie auch heute noch am nahegelegenen Uracher Wasserfall kam es zur Bildung von Kalktuff, vorwiegend in Form von großen seenartigen Sinterbecken. Eine vergleichbare Situation herrscht heute an den Plitvitzer Seen in Kroatien. Durch die Ablagerung von Kalktuff an den Rändern wurden große Stufen gebildet, weitere Ablagerung führte zur Überwölbung und schließlich zum Abschluß von Höhlengängen. Um solch einen Höhlengang handelt es sich hier. Er befindet sich in einer etwa 25 m mächtigen Kalktuffbarre.