| Ort: |
Werminghoffstraße 20, 02977 Hoyerswerda / OT Knappenrod.
Knappenrode bei Hoyerswerda. A4 Ausfahrt Bautzen. (51.3958338, 14.3265610) |
| Öffnungszeiten: |
Ganzjährig Di-So, Fei 10-17. Geschlossen 01-JAN, 05-09-JAN, 23-25-DEZ. 31-DEZ. [2026] |
| Eintrittspreise: |
Erwachsene EUR 9, Kinder (6-18) EUR 6, Kinder (0-5) frei, Studenten EUR 6, Schwerbehinderte EUR 6, Familien (2+2) EUR 18. Gruppen (10+): Erwachsene EUR 7, Kinder (6-18) EUR 5. [2026] |
| Typ: |
Braunkohle
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| Licht: |
Elektrisches Licht
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| Dimension: | Ar=25 ha. |
| Führungen: | selbstgeführt |
| Fotografieren: | erlaubt |
| Zugänglichkeit: | teilweise |
| Literatur: |
W. Nowel, R. Bönisch, W. Schneider, H. Schulze (1994):
Geologie des Lausitzer Braunkohlenreviers,
Senftenberg (Lausitzer Braunkohle AG), 107 S.
C. F. Zincken (1867): Die Physiographie der Braunkohle, A. Krüger Verlagsbuchhdl., Leipzig, 818 S. |
| Adresse: |
Sächsisches Industriemuseum, Energiefabrik Knappenrode, Werminghoffstraße 20, 02977 Hoyerswerda / OT Knappenrod, Tel: +49-3571-60703-0.
E-mail: |
| Nach unserem Wissen sind die Angaben für das in eckigen Klammern angegebene Jahr korrekt. Allerdings können sich Öffnungszeiten und Preise schnell ändern, ohne daß wir benachrichtigt werden. Bitte prüfen Sie bei Bedarf die aktuellen Werte beim Betreiber, zum Beispiel auf der offiziellen Website in der Linkliste. |
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| 1913 | Baubeginn der Werkssiedlung Werminghoff. |
| 1914 | erster Spatenstich zur Errichtung der Brikettfabrik und des Kraftwerkes. |
| 1918 | Inbetriebnahme der Brikettfabrik I mit 7 Tellertrocknern und 10 Dampfpressen. |
| 1947 | Befehl zur Demontage des Werkes. |
| 1948/49 | Wiederaufbau der Brikettfabrik. |
| 25-FEB-1993 | Stillegung der Brikettfabrik Knappenrode. |
| 18-JUN-1994 | Eröffnung des Bergbaumuseums Knappenrode. |
Die Braunkohlen Deutschlands bildeten sich im Tertiär, zwischen 44 und 17 Ma. Das in dieser Periode vorherrschende subtropische bis tropische Klima machte eine intensive Bioproduktion möglich. In Europa existierten in weiten Gebieten Regenwälder. Insbesondere trifft das auf das weite Becken im heutigen Gebiet von Niedersachsen, Brandenburg und Polen zu. Hier gab es riesige Moorgebiete, die teilweise periodisch vom Meer überflutet wurden. Dieses Sedimentationsbecken wurde im Süden durch das Böhmische Mittelgebirge und im Norden durch den Skandinavischen Schild begrenzt.
Für die Bildung von großen Torflagern, die später in Braunkohle umgewandelt werden ist nicht nur die Menge der Produktion wichtig. Mindestens genau so wichtig ist der Betrag des Abbaus. Durch Luftabschluss durch das Wasser der Moore sowie durch die Unterbrechung der Zersetzung durch periodische Überschwemmungen des Beckens mit Meerwasser aus der Nordsee, wurde die Zersetzung der Biomasse verhindert. Waren die Pflanzenreste jedoch erst einmal von Sedimenten wie Sand- oder Tonablagerungen bedeckt, war kein weiterer Abbau der Kohlen mehr möglich.
Die Inkohlung, also das Entweichen diverser Kohlenwasserstoffverbindungen, bis schließlich reiner Kohlenstoff übrig bleibt, wird durch zunehmenden Druck und Temperatur in Gang gesetzt. Doch aufgrund des zu geringen Alters der Ablagerungen ist er noch nicht weit fortgeschritten. So kommt es, dass die Kohlen als Braunkohlen bezeichnet werden, die noch viel Struktur der ehemaligen Pflanzen besitzt, und durch ihren hohen Gehalt an Wasser, Feststoffen (Asche), Schwefel und diversen Kohlenwasserstoffen einige unangenehme Eigenschaften besitzt. Insbesondere ist dabei der hohe Grad der Umweltverschmutzung und der vergleichsweise geringe Brennwert zu nennen.
Das Energiefabrik Knappenrode ist in einer ehemaligen Brikettfabrik untergebracht. Zwischen 1918 und 1993 wurden hier aus der in der Nähe gewonnenen Braunkohle Briketts hergestellt. Hier werden auf einem Areal von etwa 250,000 m² alle mit dem Abbau der Braunkohle in der Lausitz verbundenen Aspekte dargestellt. Das beinhaltet Maschinen für Braunkohleabbau im Tagebau, Bergbau, Transport der Braunkohle und Herstellung der Briketts, sowohl als Heizmittel als auch zur Herstellung von Elektrizität.
Die Ausstellung Revier.Lausitz erläutert die Geschichte des Lausitzer Reviers seit dem 12. Jahrhundert, als sorbische Bauern anfingen Ackerbau zu betreiben und dabei die "brennende Erde" entdeckten und nutzten. Im 18. Jahrhundert war es üblich Braunkohle zum Kochen und Heizen zu nutzen, doch eine industrielle Verwendung wurde erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts möglich. Durch technischen Fortschritt, insbesondere den Einsatz von Dampfmaschinen, entstand ein steigender Brennstoffbedarf. Wichtigster Verbraucher war jedoch das regionale Handwerk: Textilien, Keramik, Glas und Eisen. Das größte Problem war der Transport, es lohnte sich einfach nicht die relativ minderwertige Braunkohle mit Pferdewagen über längere Strecken zu transportieren. Stattdessen wurde von vielen Industriebetrieben englische Steinkohle importiert. Das änderte sich schlagartig als die Lausitz an das Eisenbahnnetz angebunden wurde. Schlagartig konnte die Braunkohle nach Berlin und in andere Städte verkauft werden, aber auch ortsansässige Industrie hatte plötzlich Zugang zu billiger Energie. Und in der Lausitz gab es vieles was sich im wachsenden Berlin gut verkaufen ließ: Glas, Ziegel, Eisen, Sand und Brennstoffe. Innerhalb weniger Jahre wandelte sich das ländliche Gebiet in eine leistungsfähige Industrieregion. Die sorbische Landbevölkerung hatte jedoch mit negativen Auswirkungen zu kämpfen. Sie wurde zu einer ethnischen Minderheit und wegen ihrer slawischen Wurzeln sogar angefeindet. So sagt ein sorbisches Sprichwort "Gott schuf die Lausitz, der Teufel die Kohle darunter".
Die Hochzeit der Braunkohle begann jedoch erst in den 70er Jahren. Sie war in der DDR der Hauptenergieträger und wurde hier in der Lausitz und westlich von Magdeburg in großen Mengen abgebaut und verstromt. Seit dem Zweiten Weltkrieg und der Gründung der DDR hatte das Land nur diesen einen Energieträger. Alle Steinkohlevorkommen des Deutschen Reiches waren entweder in Westdeutschland oder in Polen und Tschechien.
Eine zweite Ausstellung im ehemaligen Fabrikgebäude heißt Fabrik.Erlebnis.Rundgang. Sie befasst sich natürlich mit allen Aspekten des Briketts, Herstellung Transport und Verwendung. Die Maschinerie die zur Herstellung der Briketts benutzt wurde ist vollständig erhalten, sowohl die Technologie vom Anfang des 20. Jahrhunderts als auch neuere Technik. In 75 Jahren Produktionszeit wurden 67 Millionen Tonnen Briketts gepresst. Hier gibt es auch noch ein akustisches Highlight mit dem Namen Akustik.Schicht, dreimal am Tag wird die ohrenbetäubende Realität der Fabrik simuliert.
Die Kraftzentrale wird auch Turbinensaal genannt. Hier stehen drei imposante Dampfturbinen, eine Brown Boveri aus der Kaiserzeit, eine AEG von 1943, und eine in der DDR gebaute aus den 50er Jahren.
Mit seinem riesigen Gelände und den vielfältigen Ausstellungen bietet dieses Museum genug Platz, um auch die großen Abbaubagger im Braunkohletagebau zu zeigen. Doch allein durch die Größe sollte man unbedingt genug Zeit einplanen. Wir würden interessierten empfehlen einen halben Tag zu planen, wer nur einen Eindruck erhalten möchte, sollte trotzdem mit 1,5 Stunden rechnen, allein durch die Größe des Gebäudes. Bequemes Schuhwerk ist angeraten. Das Museum bietet für Gruppen auch Führungen an.
Dies ist ein Museum, kein Schaubergwerk, und tatsächlich war der Braunkohleabbau ausschließlich im Tagebau, es gibt also keine Bergwerke. Wir haben das Museum dennoch aufgenommen, weil es wohl das beste Museum zum Braunkohletagebau in Deutschland ist.