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Höhlenführer-Mythen

Warum man in Höhlen nicht Fotografieren darf......


Bild: Das Aufnehmen der mit Video- und Fotokameras ist generell VERBOTEN.

Naja, die Erklärung, dass die Blitzerei die anderen Besucher stört, leuchtet ja jedem irgenwie ein. Auch wenn man natürlich als Fotograf im eigenen Interesse danach trachtet, die anderen nicht zu verärgern.


Was soll man aber von der Sache halten, dass Blitze die unerwünschte Lampenflora wachsen lassen?

Man stelle sich das vor: ein unschuldiges Samenkorn wird vom Regenwasser durch enge Spalten bis in eine Schauhöhle getragen. Dort ignoriert es geflissentlich die täglich acht Stunden brennende Beleuchtung. Bis dann eines Tages der böse Jochen mit seinem Blitz daher kommt, den Tropfstein fotografiert, und dabei das Samenkorn mit soviel UV-Licht bombardiert, dass es in Sekundenbruchteilen keimt, wächst und die Tropfsteine überwuchert....


Bild: Höhleneingang mit Fotografierverbotsschild.

Recht beliebt ist auch, die Verantwortung/Schuld auf andere abzuwälzen. Da wird dann gerne eine Vorschrift des Bergamtes angeführt, von der das Bergamt sicherlich noch nichts gehört hat.

Beliebt ist auch der ominöse Hinweis auf das Bundesartenschutzgesetz (BArtSchG). Dieses verbietet jedoch nur die Jagd und den Vertrieb von bestimmten Tierarten, zu denen als Mammalia auch die Fledermäuse gehören. Es ist nicht anzunehmen, dass die Fotojagd mit diesem Gesetzt gemeint ist. ( Iberger Tropfsteinhöhle, website, 2006)


Schön ist natürlich auch die Geschichte mit der Verletzungsgefahr durch geblendete und blind herumtorkelnde Besucher. Da wird dann schon mal behauptet, das Auge brauche 15 Minuten, um sich von der Blendwirkung eines Blitzes zu erholen.

Besonders lustig wirkt diese Behauptung in der  Barbarossahöhle. Dort wird man nämlich kurz nach dieser Behauptung auf einer Treppe für das Gruppenbild aufgestellt, natürlich mit Blitz. Und auf die verwunderte Frage der Höhlenbesucher, wird dann behauptet, man hätte Spezial-Blitzgeräte. Funktionieren die nicht mit Licht?


Bild: Hier ist irgenwie alles verboten. Braucht man ein Jurastudium für den Höhlenbesuch?

Am einleuchtendsten und trotzdem falsch, ist die Ausrede mit dem Schutz der Fledermäuse. Daß Fledermausschutz etwas Gutes ist, haben wir nach Jahrzehnten endlich gefressen. Daß sie Blitzlicht nicht mögen glauben wir kritiklos.

Tatsächlich muß man sich aber zwei Fragen stellen. Zum ersten, wenn die Fledermäuse Blitzlicht stört, stört sie dann Höhlenbeleuchtung und Krach zu tagschlafender Zeit nicht? So ein Argument kann ja eigentlich nur bedeuten, die Schauhöhle komplett zu schließen.

Zum zweiten, warum suchen die Fledermäuse zum Schlafen gerade diesen Teil der Höhle auf? Die meisten Schauhöhlen sind viel größer als der Schauteil, oft ist nur ein winziger Bruchteil ausgebaut. Aber vielleicht meckern die Fledermäuse ja gerne und suchen nur einen Grund dafür....

Um eines klarzustellen: der Schutz von Fledermäusen ist eine gute Sache, so wie jede Art von Umweltschutz, aber die armen Fledermäuse als Ausrede zu mißbrauchen, das haben sie nicht verdient.


Bild: Hier ist wirklich alles verboten: das Essen von Thunfisch aus Dosen, Fußball mit Blumen, und sogar das Ertrinken in fliessenden oder stehenden Gewässern.

Alle bisher erwähnten Ausreden basieren auf dem Bitzlicht an sich. Das ist für den Höhlenphotografen natürlich äußerst hilfreich, wenn er in der Lage ist, ohne Blitz zu fotografieren. Heutzutage ist das mit modernen Digitalkameras mit hoher Lichtempfindlichkeit und der Möglichkeit die Farbtemperatur auf Kunstlicht anzupassen gar nicht mehr so schwierig.

Und so läßt sich die Ausrede der Höhle leicht nutzen um den Spieß herum zu drehen. Denn wenn das Blitzlicht schuld ist, dass man nicht fotografieren darf, heißt das ja doch, dass fotografieren ohne Blitzlicht erlaubt ist!


Image: Der Eingang zur Mitchelstown Cave. Detail
Mathias J. Duckeck)

Das dickste Ding zu diesem Thema erfährt man in der  Mitchelstown Cave in Irland: Fotografieren zerstört Tropfsteine!

Das Fotografieren macht sie stumpf und unscheinbar. Jetzt weiß ich endlich, dass nicht das Licht der Blitze das Schlimme ist, sondern das Fotografieren selbst. Wie beim weglesen von Buchstaben fängt der Besucher den Glanz der Tropfsteine ein und trägt sie dann, eingesperrt in seine japanische Kleinbildkamera, mit nach Hause, zum Schaden aller späteren Höhlenbesucher.


Bild: Erfrischende Ausnahme: Fotografieren ERLAUBT.

Zum Glück gibt es so umsichtige Höhlenbetreiber, die auf ihre Höhle aufpassen und die Natur schützen!



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