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Sontheimer Höhle


Touristische Informationen:

Bild: der Eingang, eine Führungsgruppe auf dem Weg in die Höhle.
Ort: A8 Ausf Merklingen, 12km nach Sontheim über Machtolsheim. 2km S Sontheim, am Rand des Tiefentals, Von der Straße Sontheim-Seißen nach ca 2km rechts ab, 5 min/300 m Fußweg vom Parkplatz. (74,Ke58)
Öffnungszeiten: Mai bis Okt Sa 14-17, So, Fei 10-17.
Führungen jeweils zur vollen Stunde.
Gaststätte: Mai bis Okt Sa 14-22, So, Fei 9-19.
[2014]
Eintrittspreise: Erwachsene EUR 3, Kinder (6-14) EUR 2, Kinder (0-5) frei.
Gruppen (15+): Erwachsene EUR 2,70, Kinder (6-14) EUR 1,70.
[2014]
Typ: Kalkhöhle, Ganghöhle, Malm
Licht: elektrisch, LED
Dimension: L=530m, VR=54m, 720m N.N. Portal: B=7m, H=12m.
Führungen: L=192m, D=30min.
Fotografieren:  
Zugänglichkeit:  
Literatur: Anon (1971): 500 Jahre Sontheimer Höhle Pfingsten 1971, Sonderdruck.
Helmut Frank, Erich Ruopp, Herbert Keifer (1997): Führer durch die Sontheimer Höhle, 4. überarbeitete Auflage 1991, 41 Seiten, 1 Plan, 17 Abb, 1 Tabelle
Adresse: Höhlenverein Sontheim, 72535 Heroldstadt, Tel: +49-7389-906109. E-mail: contact
Rasthaus, Tel: +49-7389-906648 (nur während der Öffnungszeiten).
Wochentags Voranmeldung, Tel: +49-7389-906404. E-mail: contact
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Bitte prüfen Sie bei Bedarf die aktuellen Werte beim Betreiber, zum Beispiel auf der offiziellen Website in der Linkliste.
Stand:$Date: 2015/11/20 13:24:37 $

Geschichte

Bild: eine beeindruckende Seitenkluft.
 
3./4. Jhfrühalemannische Bestattung in der Höhle.
1488erstmals beschrieben durch den Ulmer Dominikanerprior Fabri.
20.10.1516vermutlich Besuch von Herzog Ulrich von Württemberg.
1753Beschreibung und erster Höhlenplan von Prälat Weissensee.
1791Beschreibung von Rössler.
1823Beschreibung von Gustav Schwab.
3.7.1825großes Höhlenfest zur Wiederaufnahme der alten Tradition und Illumination der Höhle.
1825Beschreibung und Plan in der Oberamtsbeschreibung des OA Münsingen.
20.6.1857Herausgabe einer Festschrift anlässlich des Höhlenfests.
16.3.1956Gründung des Höhlenverein Sontheim.
1957elektrische Beleuchtung.
29.-31.5.1971Einweihung des Höhlenrasthaus mit einem großen Höhlenfest.
1971Neuvermessung durch den HHVL und den HV Sontheim, Plan von Helmut Frank.
1977Entdeckung eines Doppelgrabes aus der Merowingerzeit (3./4. Jh, frühalemannisch) bei einer Grabung des Landesamt für Denkmalpflege in Tübingen.
2010Beleuchtung mit LED installiert.

Bemerkungen

Bild: der Abstieg führt auf die Sohle der Halle, wo der Höhlengang beginnt.

Die Sontheimer Höhle ist wohl die älteste Schauhöhle der Schwäbischen Alb. Die erste offizielle Höhlenbesichtigung fand beim Besuch des Herzogs Ulrich von Württemberg (1487-1550) statt. Außer der Tatsache des Besuchs, ist kein genaues Datum überliefert worden. Es ist jedoch bekannt, dass der Herzog vom 17. bis 20.10.1516 in Blaubeuren war, um den Verhandlungen von Kardinal Lang beizuwohnen. Über diesen war eine Acht verhängt worden, die mit diesem Prozeß aufgehoben wurde. Sowohl bei der Hinreise als auch bei der Rückreise wählte der Herzog den Weg von Wiesensteig über die Alb, der ihn beide Male an Sontheim vorbei führte. Es ist vorstellbar, dass der Besuch auf dieser Reise stattfand.

Berühmt ist die Sontheimer Höhle seit langem für ihre Höhlenfeste. Es ist nicht bekannt seit wann diese Höhlenfeste durchgeführt wurden, erstmals beschrieben werden sie in einem Buch von Gustav Schwab von 1823, in dem er schrieb "Noch bis gegen das Jahr 1790 hielten die Sontheimer Bauern alljährlich (am Pfingstmontag) Schmauß und Tanz in dieser Höhle". Auch er hat also nur Erzählungen wiedergegeben und es ist nicht klar ob die Feste tatsächlich in der recht kühlen Höhle stattfanden, oder wie heute üblich auf dem Vorplatz. Sicher ist, dass die Tradition am 3.7.1825 wiederaufgegriffen wurde. Der Tag des Höhlenfests war der einzige Tag im Jahr, an dem die Höhle beleuchtet war, und so waren die mit dem Fest verbundenen Höhlenbesichtigungen sehr beliebt. Dennoch war im Folgenden nicht jedes Jahr ein Fest. So ist überliefert, dass nach dem Fest 1841 eine 16jährige Pause war, bis 1857 ein besonders großes Fest stattfand, zu dem sogar der erste Höhlenführer gedruckt wurde.

Bild: auch im Hauptgang führt der Weg stetig nach unten.

Das Höhlenfest fand ursprünglich im Juli, am Peter- und Paul-Feiertag statt. Der Grund war wohl, dass die Sontheimer eine besondere Beziehung zu diesem Heiligen haben, dem auch die Sontheimer Kirche geweiht ist. Ende des 18ten Jahrhunderts fanden einige Höhlenfeste am Pfingstmontag statt. Mit der Gründung des Sontheimer Höhlenvereins 1956 wurde die Höhle ausgebaut und 1957 mit elektrischem Licht ausgestattet. Auch die Höhlenfeste wurden wieder häufiger veranstaltet, und inzwischen findet das Höhlenfest jährlich am Pfingstsonntag statt, seit 2004 Pfingstsamstag und Sonntag.

Noch immer hat das Höhlenfest eine Besonderheit zu bieten. Nur an diesem Tag ist es möglich, die Hintere Kohlhaldenhöhle zu besichtigen. Dieser nicht besonders große Hohlraum ist voller sogenannter Kerzenstalagmiten, das sind schlanke Stalagmiten mit etwa 10 bis 15cm Durchmesser und ein bis zwei Metern Höhe. Diese Höhle wurde vor einigen Jahren beim Bau eines neuen Generatorhauses entdeckt. Sie ist nicht Teil der regulären Führung um die Tropfsteine und die in der Höhle lebenden Fledermäuse zu schützen. Die Tropfsteine sind von außergewöhnlicher Schönheit und bleiben nicht zuletzt durch die eingeschränkten Besuchsmöglichkeiten in diesem unberührten Zustand.

Bild: der beeindruckendste Tropfstein heißt Glocke.

Die Sontheimer Höhle wird durch eine sogenannte Einsturzdoline betreten, die durch den Einsturz der Höhlendecke der Eingangshalle entstanden ist. Für diesen Einsturz war sicherlich das benachbarte Tiefental mit verantwortlich, durch seine Eintiefung wurde die Decke immer dünner bis sie eines Tages an der dünnsten Stelle einbrach. Durch Verwitterung im Eingangsbereich wurde diese Öffnung erweitert und so geht man heute durch ein großes Portal und eine steile Treppe über den Schuttkegel des Einsturzes hinunter. Auf dem Boden der Halle angelangt, sieht man links einen Höhlengang, der nach Osten führt. Nach einer Verengung, die mit einem Fledermaustor verschlossen ist, weitet er sich wieder und führt kontinuierlich bergab, bis er nach etwa 150m endet. Die Höhle besitzt keinen zweiten Zugang, so dass die Führung umdreht und den gleichen Weg wieder hinaufsteigt. Genau betrachtet ist der Rückweg interessanter, da bergauf andere Stellen ins Auge fallen, und die Höhle nach oben blickend auch imposanter wirkt.

Der Hauptgang ist zwar nicht so riesig wie die Eingangshalle, aber doch meist recht hoch. Mehrere Schächte reichen etwa 25m weit nach oben. Er besitzt an vielen Stellen schöne Sinterbildungen. Die Schlußhalle ist der zweitgrößte Raum der Höhle und besitzt mit der Glocke wohl den außergewöhnlichsten Tropfstein der Höhle. Dieser Stalagmit war einst auf einer Sedimentfüllung der Höhle gewachsen, die inzwischen ausgeräumt wurde. Da er jedoch auch an der Wand festgewachsen war, blieb er an seiner Position und wirkt heute wie frei schwebend.

Die Höhle war früher für ihre riesige Fledermauskolonie berühmt. In den 1950er und 60er Jahren wurden jählich zwischen 100 und 400 Fledermäuse in der Höhle beringt. Erfahrungswerte, vor allem nach neueren Forschungen, lassen vermuten dass weit mehr Fledermäuse an unzugänglichen Stellen überwinterten. In den folgenden Jahren wurde jedoch der Ackerbau intensiviert, und durch den Rückgang der Nahrungsgrundlage und die Anreicherung von Insektiziden in der Nahrungskette nahm die Population dramatisch ab. Zwischen 1969 und 1973 ging der Bestand auf ein Sechstel zurück. Erst ab 1980 griffen Naturschutzmaßnahmen und der Bestand erholte sich langsam aber kontinuierlich. Heute hat sich der Bestand grundlegend erholt, doch die Zahlen der fünfziger Jahre werden noch nicht wieder erreicht.


Sontheimer Höhle Gallerie