Karstquelle vom Vaucluse-Typ

Tiefer Karst - Quelltopf


die grüne Farbe des gipsreichen Wassers, Rhumequelle, Deutschland.
der Quelltopf mit seiner Blaufärbung, Blautopf, Deutschland.

Der englische Fachbegriff Vauclusian Spring besitzt eine deutsche Entsprechung, der gute alte Quelltopf. Vielfach wird inzwischen jedoch der englische Terminus verwendet, oder die deutsche Übersetzung, wie wir das hier tun. Doch eigentlich ist die deutsche Tradition anders, hier wird nicht der Quellentyp unterschieden, sondern der Karsttyp: man spricht vom tiefen Karst beziehungweise vom seichten Karst. Tatsächlich ist es durchaus üblich, dass in einem Karstgebiet die Karstquellen alle oder fast alle vom einen oder anderen Typ sind, nicht jedoch willkürlich auftreten. Diese geologische Eigenschaft vernachlässigt der englische Fachbegriff jedoch.

Die Vaucluse Quelle ist eine Quellhöhle, die sehr tief liegt, deutlich tiefer als der Vorfluter, und somit vollständig mit Wasser erfüllt ist. In der Regel wird eine derartige Situation damit erklärt, dass die Höhle entstanden ist, als die Entwässerung tiefer lag. So kann es sein, dass das Tal nicht weiter eingetieft wurde, sondern mit Geröll verfüllt wurde. Auslöser für derartige Entwicklungen sind meist Klimaveränderungen, aber auch tektonische Hebungen oder Senkungen. Bei der Vaucluse ist wie bei vielen Höhlen in Südfrankreich die Messinische Salinitätskrise wichtig. Zu dieser Zeit war das Mittelmeer sehr stark ausgetrocknet und sehr salzig, weil es keine Verbindung zum Atlantik gab. Entsprechend bildete sich eine unterirdische Entwässerung auf ein 250 m unter dem heutigen Meeresspiegel liegendes Niveau.

In der Geologie gibt es zahlreiche Versuche, Quellen nach der geologischen Situation zu klassifizieren. Nur wenige sind tatsächlich für den Karst relevant. Eigentlich gibt es nur zwei, was auf die vielen Höhlen zurückzuführen ist, die das freie Fließen des Wassers unter der Erde ermöglichen. Die Flußhöhlen, bei denen die Höhle mit einem Portal endet, aus dem der Fluss horizontal herausfließt, und bei denen man normalerweise die Höhle befahren kann. Und Quelltöpfe, die für ein blaues Becken sorgen, das tief ist, mit einem wassergefüllten Höhlensystem, das unter dem Wasserspiegel liegt. Kurz gesagt, Höhle unterhalb des Grundwasserspiegels heißt Unterwasserhöhle, Höhle oberhalb des Grundwasserspiegels heißt Flusshöhle.

Wasser (H2O) ist blau. Die Farbe von H2O ist so schwach, dass wir sie in kleinen Wassermengen nicht wahrnehmen können. Um sie tatsächlich zu sehen, ist eine relativ große Menge an H2O erforderlich. Die Farbe ist auf die selektive Absorption von Licht zurückzuführen. Das Licht wird absorbiert und in Wärme umgewandelt, was ganz offensichtlich ist, wenn man sagt: "Das Wasser wird warm, wenn die Sonne darauf scheint". Mit anderen Worten: Wasser ist nicht wirklich durchsichtig, es ist ein Filter, der alles für das menschliche Auge sichtbare Licht absorbiert, nur die blauen Frequenzen weniger. Nach einiger Entfernung bleibt nur das blaue Licht übrig, das Wasser wird blau.

Eine solche vauclusianische Quelle ist typischerweise intensiv blau oder manchmal sogar intensiv grün, und es ist nicht möglich, dies mit der natürlichen blauen Farbe des Wassers zu erklären. Der Grund dafür ist einfach, dass es sich nicht mehr um H2O, sondern um Karstwasser handelt, das viele gelöste Substanzen enthält, vor allem aber eine große Menge an Kohlendioxid und Kalkstein. Das verändert die physikalischen Eigenschaften und verstärkt die Blaufilterwirkung massiv. Daher werden zahlreiche tiefe Karstquellen auf der ganzen Welt als Blue Spring, Pozo Azul oder Blautopf bezeichnet. Es gibt Legenden von Feen, die jeden Tag ein Fläschchen mit blauer Tinte hineinwerfen. Aber jetzt wissen wir es: Es ist der Kalkstein.

Neben den blauen Quellen gibt es auch grüne Quellen. Sie haben eine intensive mittelgrüne Farbe, so spektakulär grün wie die blauen Quellen spektakulär blau sind. All diese Quellen befinden sich im Gipskarst, es gibt keinen Kalkstein, sondern Gips im Wasser. Und Gips mit seinem Schwefelgehalt verändert die Frequenz des weniger absorbierten Lichts in Richtung Grün.