Kalibergbau Museum Volpriehausen


Touristische Informationen:

Ort: Wahlbergstr. 1, 37170 Uslar-Volpriehausen.
(51.667245, 9.740305)
Öffnungszeiten: MÄR bis OKT Sa 15-17.
[2026]
Eintrittspreise: frei.
[2026]
Typ: MineSalz
Licht: LightElektrisches Licht
Dimension:  
Führungen: selbstgeführt
Fotografieren: erlaubt
Zugänglichkeit: nein
Literatur:  
Adresse: Kalibergbau Museum Volpriehausen, Wahlbergstr. 1, 37170 Uslar-Volpriehausen, Tel: +49-5573-541, Tel: +49-5573-555.
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Geschichte

1895 Gewerkschaft Justus I in Köln gegründet.
1896 erfolgreiche Tiefbohrungen.
1898 Beginn der Abteufung von Schacht Justus I.
1901 Schacht fertig, Tagesanlagen werden erstellt.
1904 Chlorkaliumfabrik nimmt die Produktion auf.
1906 Gewerkschaft Justus in eine Aktiengesellschaft mit Sitz in Volpriehausen umgewandelt.
1915 Firma und Schacht in Wittekind umbenannt.
1915 Schacht Hildasglück fertiggestellt.
1921 Chlorkaliumfabrik als Rationalisierungsmaßnahme stillgelegt.
1938 Kalibergbau wird eingestellt, eine Heeresmunitionsanstalt eingerichtet.
29-SEP-1945 verheerdende Explosion.
1985 Kalibergbau Museum von Mitgliedern des Heimatvereins Volpriehausen e.V. gegründet.

Geologie

Die Norddeutsche Tiefebene besteht aus etwa 4,5 km Mesozoischen Sedimenten. Durch Beckenbildung kam es in weiten Teilen Europas zu einem Einbruch des Meeres, und in diesen seichten Binnenmeeren wurden verschiedenste Sedimente abgelagert. Die Basis dieser Sedimente ist kristallines Grundgebirge. Darauf befinden sich Gesteine des Zechsteins, der ersten Zeit in der Meerwasser in das neue Becken eindrang. Damals war die Verbindung nicht dauerhaft, Meerwasser drang ein und verdunstete im ariden Kontinentalklima. Es bildeten sich dicke Lager aus Gips, Steinsalz und Kalisalz, diese Sequenz wurde mehrmals übereinander abgelagert.

Viel später, nach einer Phase der Absenkung und Ablagerung, kam es wieder zu einem Aufstieg, das Meer wurde Land, Erosion setzte ein. Durch die Bewegung kam es zur Bildung von Störungen und Störungszonen, die Gesteine bekamen Risse. Salz ist leichter als normales Gestein, zudem ist es unter hohem Druck und Temperatur plastisch, es fing also an zu fließen und aufzusteigen. Dazu nutzte es die Klüfte, und so kam es sowohl zur Bildung von Salzdiapiren an Kluftkreuzen, als auch zu Salzmauern and Störungszonen.

Der Bergbau basiert darauf, dass in der ganzen Norddeutschen Tiefebene salztektonische Strukturen ide Oberfläche erreichen. In manchen Fällen werden sie vom Grundwasser erreicht und es bilden sich Solequellen, aus denen durch Verdunsten und Verdampfen Salz gewonnen wurde. In anderen Fällen wurden Schächte abgeteuft und das Salz unterirdisch abgebaut. In der Regel findet man sowohl Steinsalz für den menschlichen Bedarf als auch Kalisalz für Düngerproduktion und die chemische Industrie. Je nachdem welches häufiger vorkommt oder eben verstärkt abgebaut wurde, spricht man entweder von Salzbergwerken oder von Kalibergwerken.

Bemerkungen

Kalibergbau Museum Volpriehausen ist ein Bergbaumuseum mit dem Schwerpunkt Stein- und Kalisalzbergbau. Die Entdeckung der Kalisalze und ihrer großen Bedeutung als Naturdünger für die Landwirtschaft durch Justus von Liebig und Adolf Frank in der Mitte des 19. Jahrhunderts war die Grundlage des Kalibergbaus. Natürlich wurde bereits vorher Salz für Menschen, Tier, und zur Konservierung von Nahrungsmitteln abgebaut. Aber der Abbau von Kali begann erst Ende des 19. Jahrhunderts. Entsprechend liegt der Schwerpunkt der Ausstellung auf der Darstellung des Kalibergbaus im südlichen Niedersachsen von 1895 bis 1960. In Volpriehausen existierte die Doppelschachtanlage Wittekind-Hildasglück. Sie war nach erfolgreichen Tiefbohrungen im Jahr 1896 von der 1895 in Köln gegründete Gewerkschaft Justus I erbaut worden. Der Schacht Justus wurde von 1898 bis 1901. Zwischen 480 und 540 m Tiefe wurden fünf Fördersohlen eingerichtet. Dann wurden die Tagesanlagen wie Fördermaschinenhaus, Schachthalle mit Fördergerüst, Rohsalzmühle, Kesselhaus und elektrische Zentrale erbaut. Auch eine Chlorkaliumfabrik zur Verarbeitung des Kalisalzes zu Düngemitteln wurde errichtet die 1904 die Produktion aufnahm.

Eine zweite Schachtanlage Hildasglück ist etwas jünger. In diesem Gebiet hatten Tiefbohrungen nur mäßige Kaliaufschlüsse erbracht. Die Gewerkschaft Justus kauft die Besitzerin, die Gewerkschaft Hildasglück auf, um einen zweiten Schacht für das Kaliwerk abzuteufen. Dieser wurde 1910 begonnen und erreichte bereits im ersten Jahr eine Tiefe von 160 m. Doch es gab auch ein Problem, starke Wasserzuflüsse machten eine besondere Abdichtung notwendig. 1915 wurde die Endtiefe erreicht und Sohlen in 794 m und 917 m aufgefahren, die die beiden Schächte verbanden. Der Schacht diente als Wetterschacht.

Ein anderer Aspekt ist die Nutzung des stillgelegten Kalibergwerkes Wittekind als Heeresmunitionsanstalt (Bw) durch die Wehrmacht in den Jahren 1938 bis 1945. Die Anlage wurde bereits 1936 von den Burbach-Kaliwerken der Wehrmacht zur Miete angeboten. Als diese akzeptierten wurde der Bergbau in Volpriehausen im Jahr 1938 eingestellt und die Anlagen überarbeitet. Ursprünglich wurde übertage produziert, dafür wurden im Wald zwischen beiden Schächten 12 Werkshallen erbaut. 1940 begann die Herstellung von Infanteriegranaten. Im Folgenden wurden vermehrt Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene sowie Internierte des Jugendkonzentrationslagers Moringen zur Munitionsherstellung herangezogen. Als die Bombardierung durch die Alliierten begann, wurde die Produktion nach Untertage verlagert. Ab 1944 wurden außerdem vermehrt Kulturgüter in tiefer gelegene Bergwerksteile notdürftig eingelagert. Diese Sstammten aus der Umgebung, zum Beispiel Teile der Bibliothek der nahegelegenen Universität Göttingen. Nach der Befreiung der Zwangsarbeiter und Besetzung der Anlage durch die US Army, kam es jedoch zu Plünderungen und Beschädigungen. Da sich noch etwa 20.000 Tonnen explosives Material unter Tage befanden, war das sehr gefährlich. Und tatsächlich kam es am 29-SEP-1945 zu einer verheerdenden Explosion. Es dauerte fast ein Jahr bis der Schacht wieder provisorisch befahren werden konnte und ein Teil der Kulturgüter geborgen werden. Das war in letzter Minute, weil einsickerndes Grundwasser die Strecken unter Wasser setzte und jede weitere Bergung unmöglich machte. Die verbliebenen Kulturgüter sind inzwischen längst durch das Salzwasser zerstört. Heute ist von den Schachtanlagen nichts mehr geblieben, auch die Fabrikgebäude sind verschwunden. Es gibt noch einige Arbeitwohnhäuser und die Direktorenvilla aus der Zeit des Bergbaus.

Das Museum wurde genau 100 Jahre nach der Gründung der Gewerkschaft Justus I eröffnet, und war tatsächlich das erste Museum zum Kalibergbau in Deutschland. Es wird seit dieser Zeit vom Heimatvereins Volpriehausen e.V. betrieben. Der Schwerpunkt liegt hier auf der Geologie, dem Bergbau, dem täglichen Leben und dem Arbeitsleben der Bergleute, und der Technik für Abbau und Weiterverarbeitung. Ein Highlight ist die Mineraliensammlung. Daneben werden aber auch andere verwandte Betriebe in Südniedersachsen vorgestellt. Ein Teil der Ausstellung ist der Heeresmunitionsanstalt (Bw) Volpriehausen gewidmet. Das Museum besitzt jedoch leider weder einen unterirdischen Teil, noch einen künstlichen Stollen. Die noch existierenden Gebäude in der Stadt können auf einem bergbaukundlichen Rundgang besucht werden.