Historisches Schmucksteinbergwerk "Kittenrain"

Historisches Schmucksteinbergwerk Silberschacht - Historisches Schmucksteinbergwerk Bach a.d. Donau - Grube Kittenrain - Schönfärbiges Bergwerk


Touristische Informationen:

Ort: Am Kittenrain, 93090 Bach.
Ortsverbindungsstrasse Bach-Hammermühle-Sulzbach, kurz vor dem Tor zum Fürstlichen Wildsaupark.
(49.028116, 12.296086)
Öffnungszeiten: geschlossen.
[2023]
Eintrittspreise: geschlossen.
[2023]
Typ: MineFlußspat MineEdelstein
Licht: LightBeleuchtung mit Glühlampen
Dimension: A=390 m NN.
Führungen:
Fotografieren: nicht erlaubt
Zugänglichkeit: nein
Literatur: H.L. Gehrmann (1978): Fundpunkt für Fluorit, Die Hammermühle ist einen Besuch wert Mineralien-Magazin, Jg.2, Heft 6, 1978, S.389-91.
Harald G. Dill (1988): Lagerstättenkundliche und strukturgeologische Untersuchungen im Umfeld der Kittenrainer Flußspat-Gänge östlich von Regensburg. Mit einigen genetischen Bemerkungen zur Kokardenerzbildung, Mainzer Geowissenschaftliche Mitteilungen, 17:221-234, Januar 1988. researchgate
Adresse: Historisches Schmucksteinbergwerk "Kittenrain", Am Kittenrain, 93090 Bach an der Donau, Cell: +49-0160-94958460. E-mail:
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Geschichte

1496 Herzog Albrecht IV. verleiht die Bergfreiheit an Jörg Valldrer, der den heute noch existierenden „Silberschacht“ anfängt.
1669 Dr. phil. et med. Johannes Lehner beschreibt den Flußspat wegen seiner intensiven Farbe als "Smaragd".
1702 Abbau von Flußspat als Schmuckstein.
1703 Schönfärbiges Bergwerk mit dem "St. Barbarastollen" und dem "Dreifaltigkeitsstollen am Sandspach" angelegt.
1704 Einmarsch kaiserlicher Truppen brachte den Bergbau zum Erliegen.
1880 Abbau von Flußspat in Tagröschen.
1889 Ende des Abbaus von Flußspat.
1923 Abbau von Flußspat durch die fürstliche Verwaltung Thurn und Taxis mit der neu gegründeten Firma "Bayerische Land- und Industrie GmbH".
1925 Hammermühle zum Mahlen des Flußspat umgebaut.
1931 Ende des Abbaus.
1970 durch die Firma "Handels- und Finanzierungs-Gesellschaft mbH" aus Goslar als Flußspataufsuchungsbetrieb Schönfärbiges Bergwerk wieder in Betrieb genommen.
1971 durch die Firma "Handels- und Finanzierungs-Gesellschaft mbH", Goslar, Flußspatgrube Kittenrain geöffnet.
1996 Bergbau eingestellt.
2013 Überreste des Bergbaus entsorgt.
2022 Schaubergwerk geschlossen.

Geologie


Bemerkungen

Der Name Historische Schmucksteinbergwerk ist leider etwas generisch und deshalb wird er gerne mit anderen historischen Schmucksteinbergwerken verwechselt, auch wenn diese sehr selten sind. Da gibt es aber zumindest noch Steinkaulenberg bei Idar-Oberstein, und diverse andere in anderen Ländern. So war es in den letzten Jahren unter diversen zusammengesetzten Namen bekannt, zuerst mit dem Ort Bach an der Donau, dann als Silberschacht, da es ursprünglich zum Silberabbau betrieben wurde. Jetzt scheint man sich auf Kittenrain eingeschossen zu haben, nach der Straße an der es liegt. Doch damit fängt der Namenswirrwarr erst an.

Das Bergwerk wurde ursprünglich zum Abbau von Silber betrieben. 1496 verlieh Herzog Albrecht IV. die Bergfreiheit an Jörg Valldrer der das Bergwerk Silberschacht aufmachte. Der Abbau von Silberhaltigen Erzen hatte zu dieser Zeit durchaus sehr weite Verbreitung, im Erzgebirge, im Bayrischen Wald uns auch im Schwarzwald. Hier hat das leider nicht funktioniert, weil der Flußspat extrem metallarm war und der Bergbau wurde sehr schnell wieder eingestellt.

Flußspat galt im Mittelalter als taubes Gestein, nur in wenigen Ausnahmefällen wurde es als Schmuckstein verwendet. Der Flußspat machte als "Smaragd von Bach" Schlagzeilen, er war 1669 von Dr. phil. et med. Johannes Lehner wegen seiner intensiven Farbe als Smaragd beschrieben. Auf Veranlassung des Fürsten von "Thurn und Taxis" wurden diese zu Tischplatten, Schalen und anderen Schmucksteinen verarbeitet. Offensichtlich wurde der Abbau um 1700 zu diesem Zweck wieder aufgenommen. Trotzdem wurde 1703 durch erfahrene Bergleute aus Bodenwöhr und vom Rauschenberg das Schönfärbige Bergwerk auf der Suche nach Eisen und Silber eröffnet. Zwei Stollen, der St. Barbarastollen und der Dreifaltigkeitsstollen am Sandspach wurden angelegt, doch keine Erze gefunden. Doch der Bergbau wurde durch Einmarsch kaiserlicher Truppen 1704 bereits beendet.

Eine erneute Abbauphase war von 1880 bis 1889, allerdings mit zahlreichen Unterbrechungen. Der Ausbiss der Flußspat-Gangs wurde auf eine Länge von 100 m in Tagröschen nun tatsächlich auf Flußspat ausgebeutet. Die Tagebaue wurden damals Silbergrube genannt, ein umgangssprachlicher Begriff der für Tagebaue und sehr kleine Gruben verwendet wurde.

Nach einer erneuten Pause gründete die fürstliche Verwaltung Thurn und Taxis 1923 die Firma "Bayerische Land- und Industrie GmbH" in Regensburg. Diese begann auf dem Gang des ehemaligen Schönfärbigen Bergwerks in zwei Stollen Flußspat abzubauen. Dieses Bergwerk wurde Grube Kittenrain genannt. Die nahegelegene Hammermühle, die bisher eine Getreidemühle war, wurde für das Mahlen des Flußspat umgebaut. Mit bis zu 36 Beschäftigten, vorwiegend Frauen, wurden 50 Tonnen Flußspat am Tag verarbeitet. 7.000 bis 9.000 Tonnen Flußspat wurden jährlich gefördert und verarbeitet. Die Firma stellte 1931 den Abbau ein.

Die letzte Betriebsphase begann 1970 durch die Firma "Handels- und Finanzierungs-Gesellschaft mbH" aus Goslar. Allerdings wurde die Betriebsleitung von der Firma "Flußspatwerke Schwarzenfeld GmbH, vorm. Anton Kallmünzer" übernommen. Der im Tagebau abgebaute Flußspat wurde zur Aufbereitung nach Freiung gefahren, die Aufbereitung gehörte zur Grube Cäcilia im Wölsendorfer Revier. Doch bereits 1971 übernahm die Goslarer Firma selbst, begann den untertägigen Abbau und verkaufte den Flußspat an die Firma "Vereinigte Aluminium Werke" (VAW). Diese bereitete ihn auf und verkaufte ihn an eine Flußsäurefabrik in Stulln, die Flußsäure wiederum wurde an die österreichische Zementindustrie verkauft. Der Abbau wurde 1996 endgültig eingestellt, die Aufbereitung, das Betriebsgebäude, und die Diesel-Schaufellader wurden erst 2013 entsorgt und das Gelände anschließend eingeebnet.

Das Schaubergwerk wurde nach der Einstellung des Abbaus eingerichtet. Die Besichtigung beginnt mit einer Tonbildschau. Dann werden die Besucher mit historisch nachempfundener Grubenkleidung ausgestattet, einem Umhang mit der Zipfelmütze der alten Bergleute. Dazu kommt dann aber doch ein moderner Helm. Nach einer Führung durch das Bergwerk schliesst sich noch ein Besuch in einem unterirdischen Museum an.

Das Bergwerk wird für Speläotherapie genutzt, aber offensichtlich haben die Betreiber versucht die Diskussion um die medizinische Wirksamkeit zu umgehen. So werden die Besuche als Wellnessangebote unter Tage beworben. Die Besuche werden mit 10er Karten angeboten.

Die letzte Pächterin des Schaubergwerks hat im Jahr 2022 altersbedingt aufgehört. Bislang wurde noch kein neuer Pächter gefunden, so daß das Schaubergwerk momentan geschlossen ist.