Goetz-Höhle


Touristische Informationen:

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Aussicht vom Höhleneingang, Goetz-Höhle, Deutschland
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Höhleneingang, Goetz-Höhle, Deutschland
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Höhlenbaude, Goetz-Höhle, Deutschland
Ort: In Meiningen. Parken Am Mittleren Graben und Neu-Ulmer Straße.
(50.563233, 10.406937)
Öffnungszeiten: geschlossen.
[2021]
Eintrittspreise: geschlossen.
[2021]
Typ: SpeleologyTektonische Höhle SpeleologySpaltenhöhle unterer Muschelkalk.
Licht: LightLED
Dimension: L=110m, VR=65m, A=328m NN.
Führungen: L=450m, VR=40m, St=164. V=15.000/a [2000].
Fotografieren: erlaubt
Zugänglichkeit: nein
Literatur: Anon (2001): Goetz-Höhle Meiningen, Thüringer Landesanstalt für Geologie, Weimar, 2001, ISBN 3-9806811-2-2. Erhältlich von der Tourist-Information Meiningen.
Prof. Dr. Heß von Wichdorff, Prof. Dr. A. Goetze (1928): Thüringer Höhlen, Zeitschrift des Thüringer Höhlen-Vereins, 1. Jahrgang 1928, Hefte 1 und 2 in einem Band.
Adresse: Goetz-Höhle, Goetz-Höhlen-Verein Meiningen e.V., Am Dietrich, 98617 Meiningen, Tel: 03693-503484, Fax: 03693-891501. E-mail: contact
Informationen und Buchungen: Tourist-Information Meiningen, Bernhardstraße 6, D-98617 Meiningen, Tel: 03693-44650 Fax: 03693-446544. E-mail: contact
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Geschichte

AUG-1915 vom Meininger Kaufmann Reinhold Goetz bei Arbeiten in seinem Berggarten entdeckt.
1917 Spuren von Wisenten, Bären und Wildpferden gefunden.
1922 vom Thüringer Höhlenverein erstmals erforscht.
1925 Eingangsstollen fertiggestellt, erste Besuche durch Freunde und Interessierte.
31-DEC-1925 Reinhold Goetz verstorben, Höhle bleibt verschlossen.
OCT-1931 Besuch durch den Landesgeologen Heß von Wichdorff.
23-APR-1932 Mitglieder des Thüringer Höhlenvereins, der Meininger Oberbürgermeister Hermann Keßler und andere Vertreter der Stadt sowie Höhlenfreunde des Hennebergisch-Fränkischen Geschichtsvereins besichtigten die Höhle.
MAY-1932 Beginn des Ausbaus
21-APR-1934 Schauhöhle eröffnet.
1938 Höhle und Berggarten von Familie Breede gekauft und weiter betrieben.
30-OCT-1940 durch Verordnung des Landrats nach dem Reichsnaturschutzgesetz als Naturdenkmal geschützt.
20-AUG-1955 zum Bodendenkmal erklärt.
1956 Unterschutzstellung als Geologisches Naturdenkmal.
24-JUL-1970 geschlossen wegen angeblicher sicherheitstechnischer Mängel.
11-AUG-1983 mit Beschluss Nummer 510/73/83 vom Rat des Kreises Meiningen zum Geologischen Naturdenkmal (GND) erklärt.
13-SEP-1996 Verein Goetz-Höhle Meiningen e.V. gründet.
22-APR-2000 elektrische Beleuchtung und Wiedereröffnung.
2009 Beleuchtung auf LED umgestellt.
2012 Baude wegen Renovierung geschlossen.
2014 Wiedereröffnung mit neuem Pächter und renovierter Baude.
2016 Höhle geschlossen und stand zum Verkauf.
2020 an den Unternehmer und Brauereibesitzer Volker Reich verkauft.

Bemerkungen

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Höhlenplan, Goetz-Höhle, Deutschland
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Zweite Hauptkluft, Goetz-Höhle, Deutschland
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Dritte Hauptkluft, Goetz-Höhle, Deutschland
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Klufthöhle, Goetz-Höhle, Deutschland
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Aufstieg vierte Hauptkluft, Goetz-Höhle, Deutschland

Die Goetz-Höhle befindt sich im Süden von Meiningen, am Osthang des Dietrichsberges zur Werra hin. Das große Hanggrundstück gehörte dem Meininger Kaufmann Reinhold Goetz und er war dabei einen Berggarten mit Terrassen, Aussichtspunkten und einer künstlichen Burgruine zu gestalten. Die Umgestaltung dem romantischen Zeitgeschmack entsprechend erforderte erhebliche Erdarbeiten, und beim Abgraben von Steinen stieß Goetz auf eine größere Öffnung im Muschelkalk. Er konnte in die Höhle eindringen und gelangte in eine parallel zum Berghang verlaufenden Spalte, die heutige als Hauptspalte 2 bezeichnet wird. Er war sehr beeindruckt von der Höhle und wollte sie als Schauhöhle ausbauen. In den nächsten zwei Jahren legte er einen künstlichen Eingangsstollen an, der heute als Höhlenausgang dient. Dabei fuhr er die Hauptspalten 3 und 4 an, und entdeckte in der Hauptspalte 3 im Höhlenlehm eingebettete tierische und menschliche Knochen. Der Ausbau des Zugangstunnels dauerte bis 1925, vermutlich führte Goetz die Arbeiten selbst durch, daraufhin besichtigten Freunde der Familie und andere Interessierte die Höhle. Zum Jahresende verstarb Reinhold Goetz jedoch und die Erschließungsarbeiten wurden eingestellt.

Es kam wieder Bewegung in die Sache mit einer Publikation des Thüringer Höhlenvereins. Dieser begann 1928 seine Zeitschrift mit dem Titel Thüringer Höhlen, der Landesgeologe Heß von Wichdorff war Herausgeber. Im Oktober 1931 besuchte dieser die Höhle und erwähnte darauf hin in der nächsten Ausgabe der Zeitschrift die Spalten im Dietrichsberg und bezeichnete sie als "die bedeutendsten Zerreißungsklüfte in Thüringen". Darauf hin kam es am 23. April 1932 zu einem Orttermin, bei dem Mitglieder des Thüringer Höhlenvereins, der Meininger Oberbürgermeister Hermann Keßler und andere Vertreter der Stadt sowie Höhlenfreunde des Hennebergisch-Fränkischen Geschichtsvereins die Höhle besuchten. Heß von Wichdorff erläuterte die geologischen Verhältnisse und die Entstehung der Höhle und regte an, die Erschließung baldmöglichst fortzusetzen. Offensichtlich traf seine Idee auf fruchtbaren Boden, denn bereits im Mai begann der weitere Ausbau der Höhle. Martha Goetz, die Witwe des Entdeckers, finanzierte die weiteren Erschließungsarbeiten und wurde von den beiden Vereinen beraten. Der Bergingenieur Hermann Bender aus Blankenburg (Harz) hatte die technische Leitung und wurde unterstützt von Erich Marquardt, Studienrat am Gymnasium Bernhardinum Meiningen. Es folgte eine intensive Bautätigkeit bei der über 20 Arbeiter mit dem Ausbau beschäftigt waren. Bei der Anlage des heutigen Eingangs wurden weitere Spalten entdeckt, die Spalte 1 und weitere Nebenspalten. Die Spalten wurden ausgeräumt und 7,000m³ Schutt aus der Höhle entfernt. Dabei wurden in den Sedimentschichten zahlreiche Artefakte aus der Steinzeit und Skelettteile von nacheiszeitlichen Tieren gefunden. Schließlich wurden Treppen aus Eichenholz und eine elektrische Beleuchtung eingebaut. Nach knapp zwei Jahren Ausbau wurde die Höhle am 21-APR-1934 als Schauhöhle eröffnet.

Die Höhle wurde viele Jahrzehnte als Schauhöhle betrieben, überstand Nationalsozialismus, Weltkrieg und Mauerbau. Doch 1970 wurde die Höhle aus heiterem Himmel mit dem Hinweis auf "drohende Firstabbrüche" geschlossen. Die Eigentümer der Höhle erhielten keine amtliche Erklärung. Es gibt darüber auch keinerlei schriftliche Nachweise. Dennoch wurden die beiden Höhleneingänge zugemauert. Weder die Denkmalbehörden noch die Eigentümer konnten eine Aufhebung der Schließung erwirken. Als Grund für die Schließung der Höhle wird die Nähe zur innerdeutschen Grenze und der private Eigentümer vermutet. Da die Höhle im Privatbesitz war, konnten die Behörden sie nicht direkt kontrollieren. Ob die Behörden jedoch befürchteten, dass von der Höhle ein Fluchttunnel gegraben werden könnte oder ob sie fürchteten, dass sie als Unterschlupf einer DDR-Version der Underground Railroad dienen könnte, ist nicht nachvollziehbar. Aus heutiger Sicht ist die ganze Sache eher lächerlich, war aber für die Höhlenbetreiber damals durchaus wirtschaftlich problematisch.

Nach der Wiedervereinigung blieb die Höhle zunächst geschlossen, und das aus vielfältigen Gründen. In erster Linie die waren Holztreppen und die elektrische Beleuchtung inzwischen nicht mehr benutzbar. Die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Meiningen veranlasste zu Beginn der 90er Jahre ein Schutzwürdigkeitsgutachten. Das war notwendig, da Schutzwürdigkeitsgutachten und Behandlungsrichtlinien bei dem Beschluss von 1983 gefehlt hatten. Gleichzeitig begann das Thüringische Landesamt für archäologische Denkmalpflege (TLAD) in Weimar mit einer Neubearbeitung des archäologischen Fundmaterials. Die Meininger Bürger erinnerten sich noch sehr gut an die Goetz-Höhle und so gründeten sie im Dezember 1995 eine Initiative zur Wiedereröffnung. 1996 erstellte ein Unternehmen für Bergsicherung aus Ilfeld ein Gutachten nach dem die Höhle keinerlei Sicherheitsrisiken barg und jederzeit wiedereröffnet werden könnte. Offensichtlich hatten sie die touristischen Aspekte nicht untersucht.

Im Dezember 1995 gründeten neun engagierte Meininger eine Initiative zur Wiedereröffnung der Höhle. Die Übertagefläche der Goetz-Höhle, der Berggarten mit etwa 21.000m², befand sich im Besitz einer Erbengemeinschaft. Diese signalisierten eine Verkaufsabsicht und am 26. April 1996 wurde das Gelände vom Goetz-Höhlen-Verein erworben. Der Verein Goetz-Höhle e.V. mit 42 Mitgliedern wurde am 13. September 1996 gegründet, mit dem Hauptziel, die Goetz-Höhle wieder zu eröffnen. Hauptproblem war die Finanzierung der notwendigen Maßnahmen, schließlich beteiligte sich das Landesarbeitsamt mit etwa einer Million Euro. Weitere Gelder kamen vom Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Weimar, der Stadt Meiningen sowie mehreren Geschäftsleuten. Die Arbeiten fanden von Juni 1999 bis Januar 2000 statt. Neue Wege und Treppen, eine neue elektrische Beleuchtung, Geländer und Sicherungsnetze gegen Steinschlag wurden eingebaut. Auch der Außenbereich der Höhle wurden besucherfreundlich gestaltet. Am 22. April 2000 fand die festliche Wiedereröffnung statt, das Datum hatte ja nun eine gewisse Tradition.

In den nächsten Jahren wurde die Höhle stetig renoviert und von verschiedenen Pächtern mit unterschiedlichem Erfolg betrieben. Der letzte Pächter war sehr ambitioniert, aber er gab leider bereits nach zwei Jahren 2016 auf. Deshalb wurde die Höhle geschlossen und stand zum Verkauf. Sie wurde schließlich 2020 an den Unternehmer und Brauereibesitzer Volker Reich verkauft. Er hat große Pläne mit der Höhle, durch die Corona Pandemie liegen diese jedoch offensichtlich auf Eis.

Die große Besonderheit dieser Höhle ist, dass es sich um eine Klufthöhle, also eine tektonische Höhle handelt. Dies ist äußerst selten, die Goetz-Höhle ist die einzige zur Schauhöhle ausgebaute Klufthöhle in Europa. Zudem ist die die größte Klufthöhle in Deutschland und Europa. Die größte Kluft ist 50m lang, 50m hoch und bis zu 3m breit. Die überschwänglichen Lobpreisungen durch Prof. Dr. Heß von Wichdorff 1932 haben bis heute ihre Gültigkeit.

Der Dietrichsberg ist das östlich Ende des sogenannten Meininger Triasland, auch Meininger Kalkplatten genannt. Ein ausgedehntes Muschelkalkplateau zwischen dem Grabfeld und dem Werratal bei Meiningen. Hier wurde durch das Einschneiden der Weraa ein relativ steiler Talhang gebildet. Die geklüftete Kalk- und Kalkmergelsteine des Unteren Muschelkalks liegen weitgehend horizontal auf dem relativ wasserundurchlässigen Oberen Buntsandstein (Röt). Das Wasser sickerte durch die Klüfte und staute sich auf dem Röt. Das führte zu chemischer Verwitterung und weichte die Sandsteine auf, die durch die Klüfte bereits getrennten Kalkblöcke rutschten auf diesem Gleitmittel talwärts. Während sie an der Basis um 3m rutschten, kippten sie oben zum Hang hin, wodurch die typischen Klüfte entstanden, die nach oben auskeilen. Da die Spalten jedoch oben nicht auf die gesamte Länge dicht abschlossen gab es Öffnungen zur Oberfläche durch die Erdmaterial, Pflanzenrest und sogar Tiere in die Spalte fielen und sie langsam verfüllten. Die staffelartig gekippten Einzelblöcke bildeten vier hangparallele Haupt- und zwanzig Nebenspalten.

Die Führung beginnt am unteren Querstollen, direkt neben der Höhlenbaude die als Gaststätte mit Biergarten betrieben wird. Dieser Stollen ist 110m lang und verbindet auf 328m NN alle vier Hauptspalten. Man begeht die zweite Hauptspalte bis zum Ende und wechselt durch einen Querschlag in die dritte Hauptspalte. Durch sie kehrt man zum Eingansstollen zurück und folgt ihm bis zur vierten Hauptspalte. Dort steigt man dann über Metalltreppen auf und quert dann im mittleren Stockwerk durch einen Querschlag über die dritte zur zweiten Hauptspalte. Dieser folgt man ein kurzes Stück um dann durch einen weiteren Querschlag zur dritten Hauptspalte zuückzukehren. In ihr steigt man weitere, zunehmend enger werdende Treppen auf. Schließlich verlässt man durch einen kurzen Stollen, denjenigen durch den Reinhold Goetz die Höhle ursprünglich entdeckte und erschloss, die Höhle wieder.