Der Wasserbaum von Ockensen


Der Wasserbaum.

Touristische Informationen:

Ort: In Ockensen. A7 Ausf Hildesheim, B1 34km über Elze bis Salzhemmendorf-Hemmendorf, nach S 13km über Salzhemmendorf Richtung Wallensen, kurz vorher rechts ab nach Ockensen, durch Ockensen der Beschilderung folgen. (52.022975, 9.592877)
Öffnungszeiten: Keine Einschränkungen.
[2020]
Eintrittspreise: Frei.
[2020]
Typ: KarstKalktuff Säule aus Kalktuff
Licht: n/a
Dimension: H=3m, D=1m.
Führungen: n/a
Fotografieren: erlaubt
Zugänglichkeit: ja
Literatur: Franz Binot (nY): Wasserbaum von Ockensen, Institut für geowissenschaftliche Gemeinaufgaben. pdf
E. A. Friedrich (1982): Der Wasserbaum von Ockensen, in: Gestaltete Naturdenkmale Niedersachsens, Landbuchverlag, Hannover.
Adresse:
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Geschichte

1904 Hermann Meyer eröffnet sein Sägewerk mit Holzhandlung.
1926 Sägewerk wird geschlossen, Sägerwerk und Wasserbaum wird an Forstverwaltung verkauft, Wasserbaum bleibt unbeaufsichtigt.
2004 zum 100 jährigen Jubiläum Sitzgruppe, Zaun und Beschilderung aufgestellt.

Bemerkungen

Der Wasserbaum von Ockensen, Deutschland.

Der Wasserbaum ist eine einmalige Kuriosität. Es handelt sich hierbei allerdings nicht um eine Naturerscheinung, sondern um ein Industriedenkmal im weitesten Sinne.

Seit 1904 betrieb der Sägemüller Hermann Meyer in Ockensen ein Sägewerk mit Holzhandlung. Die Sägen liefen bereits elektrisch, es gab jedoch noch keine Stromversorgung am Ort. Der notwendige Strom wurde aus Wasserkraft mit einem Generator erzeugt. Er fing dafür das Wasser einer kleinen Karstquelle namens Ithhangquelle in einem Stauteich auf und benutzte es zum Antrieb einer Turbine mit Stromgenerator. Damit die Turbine gleichäßig lief mußte aber ausreichend Wasser im Stausee sein. Unglücklicherweise schütten Karstquellen sehr ungleichmäßig, und so mußte täglich geprüft werden ob der Wasserstand hoch genug war. Dazu mußte Hermann Meyer mehrere hundert Meter den Hang hinauf laufen um über den Damm hinweg in den Stausee blicken zu können.

So baute Hermann Meyer aus vier Brettern ein einfaches Rohr mit quadratischen Querschnitt, das als Anzeige für den Wasserstand diente. Nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren, ist der Wasserstand im Rohr identisch mit dem Wasserstand im Teich. Wenn der Wasserstand im Teich höher ist als die Oberkante des Rohrs, läuft Wasser über die Oberkante. Das konnte der Besitzer mit einem Fernglas von unten sehen, und wußte so ohne hinlaufen zu müssen, wenn der Teich voll genug war.

Durch das ständige tröpfeln des kalkhaltigen Wassers aus dem Rohr, hat dieses in den mehr als 80 Jahren seines Bestehens eine dicke Kruste aus Kalktuff erhalten. Das Wasser verliert Kohlendioxid und der gelöste Kalk wird ausgeschieden. Dieser Vorgang führt auch in der Natur bei Karstquellen zur Ablagerung von Kalktuff. Durch die besondere Form der Holzrohrs, hat auch die Kalkablagerung eine außergewöhnliche Form angenommen, Der Begriff Wasserbaum leitet sich von der Baumstamm-Form ab, und ist gleichzeitig ein Indiz, dass die Anwohner offenbar bereits nach wenigen Jahrzehnten den technischen Hintergrund vergessen hatten.

Das Sägwerk ging 1926 pleite und wurde mit Wohngebäude, Teichen und Wasserbaum an die Forstverwaltung verkauft. Diese betrieben den Generator nicht weiter und der Wasserbaum wurde fortan dauernd von Wasser überströmt, was die Bildung des Kalktuffs verstärkte. Bereits in den 1960er Jahren wurden Schilder für den Wasserbaum aufgestellt. Etwas bekannter wurde er jedoch mit der Veröffentlichung von E. A. Friedrich 1982, der auf die ausführliche Recherche des örtlichen Revierförsters Seyfarth zurückgreifen konnte. Zu diesem Zeitpunkt waren die Quellteiche bereits versumpft und haten ein außergewöhnliches Quellsumpfbiotop entwickelt, das zusammen mit dem Wasserbaum unter Naturschutz gestellt wurde. Es ist empfehlenwert auch die Teiche und die 100m hangaufwärts leigende Quelle zu besuchen. Bitte bleiben Sie jedoch unbedingt auf den Wegen. Den Aktuellen Zustand erhielt der Wasserbaum zum 100 jährigen Jubiläum im Jahr 2004. Zum Schutz des Geotops wurde ein Holzzaun errichtet, aber auf Wege, eine Sitzgruooe, und ein Schild mit Erläuterungen angelegt.