Höhlenwohnungen


Höhlenhaus Nr. 11, Langenstein, Deutschland.
Das renovierte Wohnzimmer, Langenstein, Deutschland.

Höhlenwohnungen sind eine eher junge Erscheinung, obwohl uns die Popkultur etwas anderes vormacht. Wir sprechen von Höhlenmenschen, wenn wir Steinzeitmenschen meinen, dabei haben diese sicherlich nicht in Höhlen gelebt. Der falsche Eindruck entstand im 19. Jahrhundert, weil die meisten archäologischen Funde in Höhlen gemacht wurden. Das liegt lediglich daran, dass sich ihre Hinterlassenschaften in Höhlen am besten erhalten haben. Unsere Vorfahren waren Nomaden und lebten in Zelten. Sie nutzen gerne warme, nach Süden ausgerichtete, Höhleneingänge. Diese sind aber eher rar, und wurden deshalb auch nur manchmal aufgesucht. Ein Archäologe spricht bereits von einer kontinuierlichen Nutzung wenn alle 100 Jahre eine Jagdgruppe Station machte. Wohnhöhlen und Höhlenwohungen kann man leider nicht mitnehmen wenn man weiterzieht.

Der wesentliche Schritt war der vom Nomadenleben zum seßhaften Leben. Dadurch wurde es auch möglich Häuser zu bauen und auf längere Zeit zu benutzen. Das galt dann ebenso für Höhlenhäuser. Dennoch sind die allermeisten Höhlenhäuser noch viel jünger, die frühen künstlichen Höhlen hatten meist wichtigere Aufgaben. Höhlenhäuser stammen entweder aus dem späten Mittelalter oder der frühen Neuzeit. Mit der Zunahme der Bevölkerung ging immer auch Wohnungsmangel und Armut einher, und damit eine Zunahme von Höhlenwohungen. Das gilt ganz besonders für die Industrialisierung, die eine arme Arbeiterschaft produzierte. Höhlenwohnungen waren deshalb auch eher Slums als Traumwohnungen. Ende des 19. Jahrhunderts wurden sie deshalb auch mit martialischen Mitteln "saniert", zum Teil mit der zwangsweisen Umsiedlung der gesamten Bevölkerung.

Aber Häuser sind schwierig zu bauen, wir brauchen dafür geeignetes Material und bestimmte Werkzeuge. Das Graben von Höhlen ist unter bestimmten Bedingungen etwas einfacher. Man braucht nur etwas, mit dem man graben kann, je nach der Weichheit des Gesteins kann ein Holzstab ausreichen.

Die berühmtesten Höhlenhäuser sind wohl die Yaodong in den Lößebenen Chinas. Während der Eiszeiten war die Wüste Gobi kalt und windig, und die Gletscher erodierten eine enorme Menge an Gestein, indem sie es immer wieder abschmirgelten und zermahlten und so einen sehr feinen Gesteinsstaub produzierten. Dieser Staub wurde durch den Wind in ein Gebiet mit ein wenig Vegetation weggeblasen. Hier wurde der Wind gebremst und verlor so den Staub. Im Laufe von zehntausenden von Jahren wurden riesige Schichten dieses Staubs abgelagert, mit einer ganz besonderen Eigenschaft: Der feine Staub war leicht zu graben, aber obwohl es sich nur um feinen Sand handelt, bricht er nicht wie normaler Sand ein oder fließt weg. Und das ist die einfache Erklärung, warum die Menschen beschlossen, Höhlen in diesem Lockersediment zu bauen: Es war viel weniger Arbeit als der Bau eines Hauses.

Es gibt viele andere Gesteine auf der ganzen Welt, die künstliche Höhlen erlauben. Sehr gut ist Vulkanasche oder Tuffstein. Die Lava, die sich bei Eruptionen in riesigen Schichten bildete, hatte einen so großen Gehalt an Gas und Flüssigkeiten, dass sie fast explodierte, sobald sie an die Oberfläche gelangte. Es bildeten sich feine Lavastücke oder Lava mit kleinen, aber zahlreichen Porositäten. Die entstandenen Gesteine sind weich und es ist möglich, Höhlen in sie zu schneiden.

Ein drittes für Höhlenhäuser geeignetes Gestein ist Sandstein. Dabei handelt es sich um ein Sediment, Sand, der durch Erosion erzeugt und durch Wind oder Wasser transportiert wird. Dieses Sedimentgestein hat sich vorwiegend auf dem Land gebildet. Der Sand wird vom Grundwasser erfüllt, wobei Wasser langsam durch die Spalten zwischen den Sandkörnern fließt und gelöste Mineralien transportiert. Typischerweise sammeln sich in den Zwischenräumen Calzit oder Quarz an, die die Sandkörner mit einem Bindemittel, einer Matrix, zu Gestein verbinden. Wird dieser Gesteinsbildungsprozeß nicht abgeschlossen, ist der Zement zu schwach oder er wird durch Korrosion gelöst, werden Sandsteine sehr weich und eignen sich auch für künstliche Höhlen.

Natürlich erlauben moderne Maschinen den Bau von Tunneln in jedem Material und das sehr effizient. So ist der Bau von Höhlenhäusern in Gebieten mit geeigneten Gesteinen auch heute noch sehr nützlich. Und es ist äußerst praktisch und energieeffizient in heißen, trockenen Gebieten, wo die Temperatur unter der Erde eher angenehm ist. Ein gutes Beispiel für solche modernen Höhlenhäuser sind die so genannten "dug-outs" in Coober Pedy in Australien. Vermutlich gibt es heute mehr Höhlenhäuser als in der gesamten Geschichte der Menschheit zuvor.