Johann Christian Rosenmüller

25-MAY-1771 - 29-FEB-1820


Johann Christian Rosenmüller gezeichnet 1805 von Johann Friedrich Schröter (1770-1836). Public Domain.
photography
Ursus spelaeus Rosenmüller, 1794. Public Domain.

Johann Christian Rosenmüller war ein deutscher Chirurg und Anatom. Er ist für die Höhlenforschung wichtig, weil er sich zwischen 1792 und 1794 während seines Studiums an der Universität Erlangen naturwissenschaftlichen Forschungen widmete und dabei die Höhlen der Fränkischen Schweiz besuchte und beschrieb. Nach ihm wurde die Rosenmüllerhöhle in Muggendorf benannt

Rosenmüller: Johann Christian R., Arzt und berühmter Anatom, ist als Sohn des Kanzelredners und theologischen Schriftstellers Johann Georg R. zu Heßberg bei Hildburghausen am 25. Mai 1771 geboren. Sein Vater ließ ihm eine überaus sorgfältige Erziehung zu Theil werden. Er erhielt seinen ersten Unterricht in den Schulen zu Königsberg (in Franken) und Erfurt und zeichnete sich schon als Knabe durch große Fertigkeit im Zeichnen aus. Nach kurzem Aufenthalt in Gießen bezog er 1786 die Universität zu Leipzig, wo er 1792 den Grad eines Magister artium erlangte. Er begann hierauf das Studium der Medicin in Erlangen und widmete sich während seines dortigen zweijährigen Aufenthaltes nebenher mit besonderem Eifer naturwissenschaftlichen Untersuchungen. Schon als Student entdeckte er die noch heute seinen Namen führende Muggendorfer Höhle, die er in einer kleinen, mit guten Zeichnungen ausgestatteten Abhandlung: „Abbildungen und Beschreibungen merkwürdiger Höhlen in Muggendorf im Bayreuthischen Oberlande“ (Erlangen 1796) beschrieb.

Nachdem er 1794 in Leipzig eine Dissertation vergleichend anatomischen Inhalts, betitelt: „Quaedam de ossibus fossilibus animalis cujusdam, historiam ejus et cognitionem accuratiorem illustrantia“ (deutsche vom Verfasser selbst herrührende Uebersetzung, Leipzig 1795) vertheidigt hatte, wurde er zum Prosector am anatomischen Theater ebendaselbst ernannt, erlangte aber die eigentliche Doctorwürde erst 1797. Er ließ sich hierauf als praktischer Arzt in Leipzig nieder, wurde 1799 Garnisonsarzt und erhielt 1802 die außerordentliche Professur der Anatomie und Chirurgie. Nach dem Tode Hebenstreit’s (1804) rückte er als dessen Nachfolger in die ordentliche Professur der genannten Fächer ein, zugleich mit der Würde als Beisitzer der medicinischen Facultät. Seine wissenschaftlichen und praktischen Arbeiten erlangten allmählich immer größere Anerkennung; er wurde zum Hofrath und Universitätsphysikus ernannt und durch allerlei sonstige Ehrenbezeugungen ausgezeichnet. Doch legte er das Amt als Universitätsphysikus bereits 1809 nieder. In seinen letzten Lebensjahren kränkelte er viel an asthmatischen Beschwerden (angina pectoris) und starb an einem dieser Anfälle plötzlich in der Nacht vom 28. zum 29. Februar 1820 in seinem 49. Lebensjahre.

R. war ein ganz außerordentlich geschickter Anatom. Mit Vorliebe beschäftigte er sich mit dieser Disciplin, wobei ihm sein bedeutendes Talent im Zeichnen sehr zu Statten kam. Seine literarischen Arbeiten bewegen sich daher meist auch auf dem genannten Gebiete. Am bekanntesten ist sein „Handbuch der Anatomie nach Leber’s Umriß der Zergliederungskunst zum Gebrauche für Vorlesungen“ (Leipzig 1808; 4.–6. Auflage herausgegeben von E. H. Weber 1828–40). Ferner sind von größeren selbständig erschienenen Schriften zu nennen sein „Compendium anatomiae in usum lectionum“ (Ebendas. 1815): „Chirurgisch-anatomische Abbildungen für Aerzte und Wundärzte“ (auch mit lateinischem Titel, Weimar 1805–12, 3 Theile); die monographische Beschreibung des „Nervus obturatorius“ (Leipzig 1814), sowie „Beitrag zur physicalischen Geschichte der Erde“ Ebdas. Th. 1, 1799; Th. 2, 1805). Auch gab er „Monro’s Abbildungen und Beschreibungen der Schleimsäcke des menschlichen Körpers ausgearbeitet und vermehrt“ heraus (lateinisch und deutsch mit Kupfern, ebendas. 1800); zusammen mit J. C. A. Heinroth „John Bell’s Zergliederung des menschlichen Körpers, nach dem Englischen durchaus umgearbeitet“ (mit Kupfern, ebendas. 1806–7). Andere Schriften sind in der unten bezeichneten Quelle angeführt. Rosenmüller’s Name ist in der jedem Mediciner geläufigen, übrigens schon von Haller erwähnten Rosenmüller’schen Grube verewigt, einer zwischen der Rachenöffnung der Ohrtrompete und der hinteren Schlundkopfwand von der Schleimhaut gebildeten, nach außen und oben gerichteten, blinden und drüsenreichen Bucht.

Vgl. Biogr. Lexikon u. s. w., herausgegeben von A. Hirsch.


Julius Pagel (1889): Rosenmüller: Johann Christian R In: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 29 (1889), S. 221–222,

Biographie

25-MAY-1771 geboren in Heßberg, Thüringen.
1786 Universität Leipzig
1792 erlangt den Grad eines Magisters artium der Philosophie
1792 Studium der Medizin an der Universität Erlangen
1794 Dissertation in Leipzig
1797 promovierte 1797 zum Doktor der Medizin
1797 lässt sich als praktischer Arzt in Leipzig nieder
1802 Professur für Anatomie und Chirurgie
29-FEB-1820 gestorben in Leipzig

Bibliographie