248. Der Näberle auf St. Salvator.
Mündlich.
Auf dem Salvator bei Gmünd ist der Kreuzweg.
Bei der Station: »die Kreuzigung Christi« ist eine Figur unten am
Kreuze mit Bohren beschäftigt.
Die Figur heißt unter dem Volke nur der » Näberle«.
Wenn Kinder hinaufgehen, so muß ihn jedes anspeien, und es würde
sich’s zur Sünde rechnen, wenn es dasselbige nicht gethan hätte.
Man erzählt [161] auch folgenden Spaß:
Der Näberle wurde einmal gestohlen und mit seinem Bohrer unter einen Baum
gesezt in der Nähe von Gmünd.
Von einem Jäger für gefährlich gehalten, wiederholt angerufen,
bekam der Näberle, als er keine Antwort gab, einen Schuß in den
Nacken.
Bald wurde er wieder auf den Salvator hinaufgeschafft und seine Wunde vernagelt,
was man jezt noch sieht[1].
1. ? Näberle, d.h. der Bohrende;
noch in einigen Gegenden Schwabens heißt der Bohrer »Näpper«;
im Mhd. ist naben, genaben = bohren. Vgl. Müller-Zarncke II. 282.
»Näpere« heißt in Wurmlingen und Umgegend die aus Langweil gemachte bohrende
Bewegung der Finger: »was näprist älleweil am Duech ’rum?«
Der Näberle auf St. Salvator, aus:
Anton Birlinger, Michael Buck (1861):
Sagen, Märchen und Aberglauben (Volksthümliches aus Schwaben 1).
Freiburg im Breisgau: Herder'sche Verlagshandlung, 1861, S. 160-161
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